Mittwoch, 9. November 2011
Alles Banane...
Nun ist es mal wieder so weit und nach langer Zeit mache ich mal wieder einen Teil meines Lebens publik. Ich weiß gar nicht wo ich anfangen soll, so viele Sachen schwirren in meinem Kopf herum wie ein Schwarm Motten um eine Straßenlaterne. Da muss ich doch glatt an eine Französischarbeit aus der 12. Klasse denken wo wir einen Traum aus dem Buch „Une jeunesse“ ,welches ungefähr genau so spannend war, wie mein Französischunterricht im Allgemeinen zu der Zeit. Auf jeden Fall sollten wir diesen Traum, in dem auch Motten und Licht vorkamen, deuten. Das Problem war nur, dass sich keiner einen Reim aus dem ganzen Schmu machen konnte und alle jämmerlich versagten… apropos Frankreich: Nachdem ich wieder mal die Geschichte des Rattenfängers zum besten gegeben hatte(der echt bekannter ist, als ich dachte), meinte Robin aus Frankreich, der Rattenfänger wäre wahrscheinlich Micheal Jackson gewesen und mit seinem „Beat it, Beat it“ durch die Gassen Hamelns gezogen um ein paar Kinder auf seine Neverland Ranch zu entführen. Sehr lustig (war es wirklich), vielleicht sollte man da mal im Keller nachschauen.

Momentan verdiene ich momentan nach drei Monaten des Müßiggangs mal wieder etwas Geld und zwar mit Bananen. Seit einer Woche arbeite ich für einen Subunternehmer von Mackay Bananas auf der größten Bananenfarm Queenslands. Ich hab während meiner Arbeitszeit zwar noch keine Banane in der Hand gehabt, aber wir dürfen uns die Siamesischen Bananen umsonst mitnehmen. Ich habe leider noch keine Bilder von der Arbeit gemacht, deshalb überlasse ich eurer Fantasie die Verbildlichung. Übrigens, auf dem Weg nach „Hause“ im Bus von der Farm nach Tully ist mir heute etwas aufgefallen, was einem meistens gar nicht so unbedingt bewusst ist: Egal, in welcher Situation man sich befindet, wie schlecht es einem gehen, wie unterdrückt oder unfrei man auch sein mag, man kann immer denken, was man will. In seinem eigenen Kopf ist man immer frei, vielleicht etwas beschränkt durch eingefahrene Denkweisen, aber theoretisch unendlich frei, wie sonst nirgendwo! Und dass kann einem niemals genommen, niemand kann Gedanken lesen oder Gedanken einschränken. Die Gedanken sind frei und das ist doch prima, oder?!
Wie dem auch sei. Meine Arbeit ist leider ziemlich monoton. Am Freitag pflanzten wir zwar noch ein paar Bananenschösslinge, aber die nächsten Wochen werde ich mich wohl mit „deleafing“ beschäftigen. Das Entlauben, geschieht aber nicht auf US-Army Weise mit einer furchtbar bösen Chemikalie mit einem harmlosen Namen, sondern noch viel effektiver und zwar in Form von meiner Person und einem rasierklingenscharfen Messer bewaffnet, das einer Machete ähnelt und sich Cane knife schimpft. Cane Knife deshalb, weil es wohl ursprünglich zum Zuckerrohr (Sugarcane) ernten benutzt wird. Damit hatte ich heute übrigens auch einen ungewollten Kontakt am Knie, nachdem ein Bananenblatt nach dem Schnitt anders fiel, als von mir gedacht und so einen leichten Druck auf das Messer ausübte, welches dann in meine zarte Haut schnitt. Wie gesagt, ist die besagte Arbeit ziemlich monoton, aber man ist draußen und hat seine Ruhe, was auch nicht so schlecht ist. Die einzigen Geräusche sind vereinzelte Windböen, die sich immer schon ein paar Sekunden vorher durch Rascheln der Blätter ankündigt, das Fallen der Blätter hinter einem und das „zing, zing“ der Machete. Diese hat die Eigenart, in einer ganz bestimmten Tonlage zu schwingen und tut das auch immer noch ein paar Sekunden, nachdem der Hieb schon ausgeführt wurde.


Ich mit Anton und den Bananen.(wie ihr seht habe ich meine Haare nach acht Monaten mal wieder stutzen lassen)

Den Job bekamen wir übrigens am Straßenstrich von Tully. Dieser befindet sich am Postamt, wo morgens von halb sechs bis sieben Uhr die Arbeiter der Bananenfarmen, der Gegend mit großen Autos abgeholt und zu den Farmen gefahren werden. Hier hängen auch immer einige bemitleidenswerte Backpacker herum, in der Hoffnung, einer der Farmer benötigt für den jeweiligen Tag noch ein Helferlein oder sogar für einige Wochen. Diese Backpacker laufen dann von „Freier“ zu „Freier“ und fragen nach einem Job. Wir (Tom, Anton und ich) hatten Glück, Anton wurde aufgegabelt und hat uns dann auch noch einsammeln lassen. Wie es sich herausstellte waren wir an einen Lohnunternehmer geraten, der für die Farm für eine bestimmte Fläche von Bananen zuständig ist und sich dort um die „Sauberkeit“ und Gesundheit der Bananenfelder kümmert. Dafür bekommt er Geld, von dem er einen Teil an uns weiterleitet, damit wir für ihn knechtigen. Die Arbeitszeiten sind ganz angenehm, wir fangen um sieben Uhr an. Dafür stehe ich um 20 nach Sechs auf, Tom, der jede Nacht wieder in mein Auto kriecht, eine halbe Stunde später. Tom ,den ich euch noch vorstellen werde, ist eigentlich eine recht lebensfrohe Person, das Problem ist, dass für ihn noch kein Startpilot erfunden ist, und er deswegen immer sehr gnatschi ist, wenn er aus dem Bett muss.

George (sehr freundlich):„ Tohom, gotta get up now, it’s late”
Tom(sehr unfreundlich): “George, for Christ’s sake, you’re not me father!”

Irgendwie hat er es bis jetzt aber doch immer wieder geschafft, aus den sanften Flügeln des Falkens zu steigen und mit mir Wheat Bix zu mampfen. Wheat Bix sind ein typische australische Sache, furchtbar nahrhaft und als Billigmarke auch relativ günstig. Schmecken tun sie eher langweilig…

Die erste Pause haben wir um halb 10, „Smoko“ heißt die Frühstückspause hier. Auch wieder was Australisches, was wohl aus der Zeit stammt, wo man sich noch Zeit nahm, gemütlich eine Zigarette zu drehen, oder die Pfeife zu stopfen und etwas Tabak zu rauchen. Die Antwort vieler Ausländer, die zum ersten Mal auf die Smoko-Pause hingewiesen werden ist wohl:“ I don’t smoke…“ So war es auch bei mir, aber Bob versicherte mir damals (man, bin ich schon lange hier), dass ich trotzdem guten Gewissen ein kleines Päuschen machen kann. Nach der Smoko werden dann noch einmal zwei einhalb Stunden gearbeitet bis es Mittag gibt. Zum Mittagessen lasse ich eine alte Tradition wieder aufleben, die ich auf der Leppington Milchfarm gepflegt habe: eine eiskalte Dose Coca-Cola. Es ist zwar unbestritten, dass der übermäßige Konsum dieses Getränks ungesund ist, aber wenn man eine schnelle Erfrischung braucht, gibt es doch kaum etwas besseres als eine Dose Cola. Flüssigkeit, schnelle Energie und ein bisschen Koffein können manchmal den Unterscheid machen. Manoman, jetzt mache ich hier Werbung für ein Produkt, dass symbolisch für den Kapitalismus ist, und ich verdiene nicht mal dabei.

Jetzt zu Tom. Mr. Tom M. aus M. in England. Er meinte einmal in meinem Blog nicht angemessen erwähnt zu werden, vielleicht hat er Recht. Also ich stell euch ihn kurz vor. Er ist ungefähr so groß wie ich, etwas kräftiger und hat blondes Haar. Sein Gesicht kann man als „britisch“ bezeichnen.


Tom, the Pom!

Hier mal ein bisschen besser getroffen:


Er ist sehr kontaktfreudig und sein Gemüt ist mit einer großen Prise Humor gesegnet. Er ist etwas launisch, und ab und an, hat er auch mal „November“ im Kopf, aber das ist relativ selten und selbst dann ist er noch sehr erträglich.(mal von 5-7 Uhr morgens abgesehen) Wenn er gute Laune ist er ein prima Zeitgenosse und wird manchmal etwas aufgedreht und steckt alle mit seiner guten Laune an. Er ist sehr gebildet, spielt gern Gitarre und isst seine Wheat Bix mit Zucker. Nachdem ich einige Wochen mit Luise gereist bin, ich dann den Ford einige Tage wieder für mich allein hatte, ist Tom zur Zeit mein Reisegenosse.

Er lernt von mir ein bisschen Deutsch und dafür bringt er mir ein paar Reime bei.

It's raining, it's pouring (boring passt hier aber auch sehr gut)
the old man is snoring
went to bed, bumped his head
couldn't get up in the morning.

Wen wundert es schon, dass viele englische Gedichte vom Regen handeln?!^^ Diesen Reim lernte ich ürbigens an dem Tag in Carins, als wir über 200 (in Worten: zweihundert) Milimeter Regen an einem Tag hatten.

Naja, dass isses erstmal, ich möchte nicht unbedingt allzuviel meiner äußerst Wertvollen vier Stunden täglichen Freizeit vor dem Laptop verbringen.

Hier noch ein Bild von Luise und mir auf hoher See...

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...es bleibet dabei, die gedanken sind frei
http://www.youtube.com/watch?v=gmwTa9qRq0o

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