Dienstag, 20. September 2011
Over the Rainbow...
Zur Einstimmung ein kleines Gedicht, gelesen auf einer Toilette irgendwo am Highway zwischen Rockhampton und Mackay:

Some poeple come here to sit and think
Some people come here to shit and stink

I come here to scratch my balls
And read the writing on the walls

Zwar literarisch nicht ganz so hochwertig wie Shakespeare, aber es reichte um mich positiv zu überraschen und amüsieren.

So, dann will ich auch mal wieder was von mir hören lassen. Das hat auch mein Auto, der Ford Falcon getan, der Auspuff war nämlich durchgerostet und dementsprechend hatte sich sein Klang etwas verändert. Als das Auspuffrohr noch in Ordnung war kann meine seine Geräuschemissonen im Vergleich zu seiner Leistung und seiner Motorgroße eher als unauffällig, schüchtern bezeichnen. Im jetzigen Zustand ist der Sound aber eines 190 PS Triebwerks angemessen, worüber ich mich erstmal freute und einige Male bei Tempo 100 in den dritten Gang zurückschaltete und das Gefühl von Sportlichkeit genoss. Einige mögen sich noch an mein Motorrad erinnern, welches ich sehr gerne fuhr und dessen Lärm für mich manchmal wie Musik in meinen Ohren war, für viele andere aber wahrscheinlich so angenehm wie Kleinkindergeschrei ist. Apropos, momentan bin ich bei Armin und dessen Söhne sind knapp zwei Jahre(Steve) und vier Monate(Scott Matthias „Matze“) alt. So komme ich in den Genuß wieder etwas Artikulation der unangenehmeren Art mitzubekommen, die ich sonst nur noch von meinem kleinen Bruder in Erinnerung hatte. Dabei interessant finde ich immer wieder die Sekunde der Stille, die nach anfänglichem Rumgeheule auftritt und in der man sich denkt: „Nanu, schon vorbei?!“ und es dann mit voller Lautstärke weiter geht, da das nur eine Pause zum Luft holen war. Vergleich ist das mit der Sekunde, die das Männchen in Automatikgetrieben braucht um nach einem Kickdown all die Zahnräder und Wellen so zu sortieren um dann die volle Motorleistung zur Verfügung zu stellen. Wie dem auch sei, bei meinem tapferen Reisegefährten, dem Falken, geht mir das sonore Brummen im 5. Gang (in dem ich meistens unterwegs bin) aber mittlerweile auf den Geist und ich werde es reparieren lassen.

Wie ihr von meinem letzten Eintrag wisst, war ich in Noosa und genoß das Leben. Wie ihr auch wisst, sind mir meine Laufschuhe abhanden gekommen und ich habe mir bis jetzt noch keine neuen gekauft. Um mir aber eine sportliche Beschäftigung zu verschaffen kaufte ich mir nach einer ein-tägigen Testphase ein Surfboard. Dazu beigetragen hat auch, dass Bruno so nett war mir seinen alten Wetsuit (Neoprenanzug) zu schenken, der verhindert, dass ich im Wasser anfange zu frieren.

Sonnenuntergang bei Noosa:


Bruno und Margot sind von der französischen Karibikinsel Guadeloupe und reisen mit ihrem Van und ihren Surfboards an der australischen Küste entlang. Jedoch sind sie keine Anfänger auf ihren Brettern, so wie ich, sondern vielmehr Virtuosen und es macht Spaß ihnen beim Wellenreiten zuzuschauen. Ich freue mich schon über das Gefühl der Beschleunigung, wenn einen eine Welle mitnimmt und es mir gelingt mich auf das Brett zu stellen. Einen Tag machten wir einen Ausflug in die Glasshouse Mountains, die im wesentlichen aus einigen Überbleibseln von erloschenen Vulkanen bestehen, die mehr oder weniger Steil aus der Landschaft ragen. Wir entschieden uns für eine recht anspruchsvolle Wander/Kletter Strecke, die für „erfahrene Kletterer“ empfohlen war. Ich sagte mir, dass ich noch einige Fähigkeiten meiner evolutionären Vorfahren haben müsste, da ich schon erfolgreich in heimischen Äpfel- und Birnbäumen herumgeturnt bin, ohne mir das Genick zu brechen. Diese Herausforderung sollte sich aber als etwas schwieriger herausstellen. Nach einigen Hundert Metern steiler Wanderstrecke kamen wir zum ersten Teil der Strecke, der zweifelsohne etwas Geschick und Mut erforderte. Bruno und Margot entschieden sich dazu, zu warten und einen Happen zu essen, während ich mich dem Berg stellte. Ich muss zugeben es war manchmal nicht ganz einfach und beim zurückschauen hatte ich das ein oder andere Mal schon ein mulmiges Gefühl im Magen, aber letztendlich habe ich es geschafft und es hat mir sehr viel Spaß gemacht. Wobei das Herunterklettern natürlich schwieriger ist, da man nicht so richtig sieht, wo man hintritt und sich deswegen ab und zu etwas hilflos vorkommt. Dieser Umstand führt wahrscheinlich dazu, dass am Mt. Tibrogargan pro Monat zwei Mal Kletterer gerettet werden müssen. Mit etwas Stolz kann ich berichten, nicht in diese Statistik mit eingegangen zu sein. Danach bestiegen wir noch Mt. Ngungun, von dem man eine prima Aussicht hatte. Was wir gemacht haben, als wir wieder in Noosa waren, weiss ich zwar nicht mehr, aber ich habe mit Sicherheit sehr gut in meinem Auto geschlafen.

Bruno und Georg in den Bergen:


Es ging steil bergauf:


Vom rechten Hang aus wurde der Berg bezwungen:


Georg, Bruno und Margot auf dem Mount Ngungun:


Ein schlängelnder Wanderpfad in den Glasshouse Mountains:



Weiterhin habe ich einige Stunden in der städtischen Bücherei von Noosa verbracht, da man dort kostenlos das kabellose Internet nutzen konnte und ich mich so um finanzielle Angelegenheiten kümmern konnte, sprich: Steuererklärung! Das Steuerjahr endet am 30. Juni und man hat bis zum 30. Oktober Zeit eine Steuererklärung einzureichen. Das tat ich via E-Tax, dem Computerprogramm für die Steuererklärung der Australischen Regierung. Ich habe mich zwar einige Stunden mit dem Programm beschäftigen müssen, konnte aber so einige Dollars sparen, die ich sonst für einen Steuerberater hätte bezahlen müssen. Und obendrauf hatte ich noch Erfolg und erhielt vor gut zwei Wochen einen Großteil der von meinen Arbeitgebern bezahlten Lohnsteuer zurück, da ich als Geringverdiener angesehen werde! Très bien!

Am Freitag, dem 12. August fuhr ich weiter nach Rainbow Beach, ein Ort, in den ich mich schon bei meinem ersten Besuch verliebt hatte. Ich suchte mir ein nettes Hostel und buchte einen Schlafplatz Dorm-room, da auf dem Parkplatz kein Platz mehr für mein Auto war, und ich dort nicht stehen und schlafen konnte, was ich normalerweise mache. Abends kamen dann per Zufall auch wieder das nette Realschullehrerpärchen aus Mannheim in dem Hostel an, das ich schon in Noosa getroffen hatte. Den Abend verbrachte ich mit dem Genuß von Alkohol.

Irgendwann im Laufe des Abends kamen auch drei „Aussies“ zum Lagerfeuer, die am Tag ein Angeltour gemacht hatten. Vor allem männliche Australier lieben es zu Angeln. Ich durfte mir dann begeisterte Erzählungen von ihrer Tour anhören und gleichzeitig Bilder von großen Angeln und großen Fischen anschaun. Einer von den dreien hatte schon einiges an Alkohol in sich und da ich mich nicht an seinen Namen erinnern kann, nenne ich ihn einfach „Dickhead“. So wurde er nämlich meistens von seinen Kameraden genannt, mit der liebevollen Aufforderung: „Shut up, dickhead!“
Er wiederholte sich nämlich fast schon penetrant, in dem was er uns mitzuteilen hatte. Am Anfang wurde er zum Beispiel nicht müde mir folgendes mitzuteilen „If you wanna do somthin, doun hesitate, just do it!“ Diesen Satz hörte ich wohl 20 Mal in 10 Minuten.

Dann kam es zu folgender Situation : Ich ließ meinen angefangenen Sechserträger auf einem Tisch stehen. Als ich eine halbe Stunde später kam, war das Bier weg und die Plastikverpackung im Mülleimer. Ich fand eine meiner Flaschen bei Dickhead am Lagerfeuer wieder und konfrontierte ihn mit der Lage, die Unzufriedenheit meinerseits hervorrief. Das sollte ich bereuen. Anfangs gab er an, er wüsste gar nicht, wo die Flasche herkäme, was ich ihm in seinem Zustand sogar glaubte. Dann änderte sich sein Gemütszustand und er schien zu verstehen, dass er wirklich mein Bier trank und er wurde furchtbar reumütig und es gibt kaum was nervigeres als einen Besoffenen der sich seiner Schuld bewusst wird. Nachdem er dann also ein paar mal gesagt hatte, dass es ihm Leid täte, sagte ich ihm dass es nun in Ordnung sei. Davon schien er aber nicht überzeugt und er heulte mir weiterhin die Ohren voll, dass es ihm soooo Leid täte und er sich soooo schlecht fühle. Dieser Zustand hielt bestimmt für 20 Min an und sein Lieblingssatz wurde: „ Mate, I’m sooo sorry!“ Irgendwann sprach auch ich die magischen Worte aus:
„Shut up, dickhead!“ Danach bekam ich dann für das verschwundene Bier eine halbe Flasche selbstgebrannten Rum von seinen Freunden, der nicht schlecht schmeckte. Irgendwann gegen zwei oder drei Uhr in der Früh begab ich mich dann zu Bett, welches sich ja in dem Dormroom befand. Diesen teilte ich mir mit zwei Irinnen und Tom aus „Mannchista“.

Ironisch fand ich, dass Dormroom ja offentsichtlich vom französischen „dormir-schlafen“ kommt, ich aber nicht allzuviel Schlaf bekam.
Um sechs Uhr klingelte zum ersten irgendein Handywecker und von da an war es um meine Nachtruhe geschehen. Nach und nach klingelten noch zwei andere Handywecker , die sich dann in den Kanon der unterschiedlichsten Wecktöne mit einfügten. Um 10 Uhr stand ich dann auf, übrigens so, wie ich ins Bett gegangen war, mit Jeans und Pulli, welche etwas verraucht waren. Die nächsten Tage verbrachte ich dann mit den unterschiedlichsten Leuten und den unterschiedlichsten Dingen in und um Rainbow Beach. Ich trank einige Liter an Bier, verbrachte viele Stunden am Lagerfeuer, Surfte auf der ein oder anderen Welle, lauschte Gitarrenmusik, hing am Strand rum, machte eine Tour nach Fraser Island und vergnügte mich anderweitig. Kurz gesagt: Ich hatte ein Superzeit!

Ab und an hinterlasse ich auch einen Fußstapfen:


Über Rainbow Beach:


Georg im großen Toyota Land Cruiser:


Im klaren Wasser des Lake MacKenzie:


Indian Head:


Georg, der Entdecker ferner Kontinente:


Alkoholisiert+Holz hacken=


Georg, der Entdecker fremder Kulturen:

(Briten in diesem Fall: Ryan, George, Luke und Tom)

Nach zehn Tagen zog ich dann weiter und fuhr nach Childers, wo das Gästebett von Armin auf mich wartete. Vielleicht erinnert ihr euch noch an seine Familie, die mittlerweile Zuwachs bekomme hat. Jener ist mittlerweile 4 Monate alt, 8 Kilogramm schwer und ein sehr nettes Kind. In den folgenden Tagen betätigte ich mich überragend als Kümmerling und kümmerte mich um Sachen, die zu erledigen waren. Wenn man sonst so ein Pflichtenfreies Leben führt kann da ein Gang zur Post schon eine große Sache werden.

Ansonsten kümmerte ich mich ab und zu um Stevie und die kleine dicke Hummel Matze, der so lange ein kleines Bündel friedfertiger Glückseligkeit war, bis ihn das Verlangen nach Mutterbrust packte, welches ich nun wirklich nicht erfüllen kann. Einen Tag half ich Armin auch dabei etwas Zaunbau zu erledigen, „fencing“.

Georg und der alte Massey Ferguson:


Stacheliger Draht, deshalb in Fachkreisen auch Stacheldraht genannt:


Matze, der kleine dicke Koala und Luise:


Georg, der Wal:


Zwei Spaßvögel:


Am australischen Vatertag (dieses Jahr war es der 4.11.) packten wir ein Picknickpäckchen, wobei Sandra leider ihren Kartoffelsalat im Kühlschrank vergaß und fuhren nach Woodgate an den Strand. Auf dem Weg dorthin wurde ich zum gefühlten ersten Mal Zeuge von sinnvoller Elektronik in einem Automobil. Dazu sei gesagt, dass ich kein Gegner des Fortschritts bin, ich jedoch manchmal den Eindruck habe, dass manche „Sicherheitssysteme“ mehr Ärger als Nutzen haben.

Wie dem auch sei, nach ca. fünf Kilometern gefahrender Strecke, zeigte der Boardcomputer des VW-Jetta folgende höfliche Aufforderung an: „Please check tyres“ (in Australien wird der Reyfen mit Y geschrieben). Tun wir das mal lieber, dachten wir uns und hielten am Straßenrand an. Und wirklich, der linke Hinterreifen war schon etwas luftlos/lustlos und Armin konnte nach dem demontieren auch einen kleinen Nagel in ihm entdecken. Das Reifen wechseln passierte bei so viel gebündelter Fachkompetenz in Rekordzeit, wir konnten weiter fahren und unser sehr schönes Barbecuepicknick am Strand machen.



Aus Wissensdurst informierte ich mich noch in der Bedienunsanleitung, woher der VW den von dem Malheur wusste: Das System welches die Reifengeschwindigkeiten für das ABS kontrolliert, vergleicht auch bei normalem Fahrbetrieb die Reifengeschwindigkeiten. Da ein platter Reifen an Umfang verliert muss er zwangsläufig schneller rotieren, um mit seinen drei Kameraden Schritt zu halten, was dem Computer auffällt und ihn dazu veranlasst eine Warnmeldung abzugeben. Ein einfaches und sehr effektives System. Manchmal bin ich wirklich von menschlicher Genialität erstaunt und freue mich darüber. Was könnte die Menschheit schon weiter sein, wenn man die für Konflikte aufgewandte Energie in Forschung investiert hätte.

Am 6. September holte ich dann die Luise von Hervey Bay aus ab. Wir verbrachten noch ein paar Tage bei Armin, von denen vor allem Sonntag, der 11.9. erwähnenswert ist. Es war Armins Geburtstag und seine Nachbarn waren so nett, sich für ein paar Stunden um die Kinder zu kümmern, so dass die Erwachsenen einen Ausflug nach „Utopia“ machen konnten. Wer auch immer sich diesen Namen für dieses schöne Fleckchen Erde ausgedacht hat und wen auch immer damit angelockt werden sollte, bei uns hat es funktioniert. Übrigens wurden wir nicht enttäuscht sondern verbrachten einen sonnigen Sonntag damit etwas durch den australischen Busch zu wandern und dann bei sog. „rockpools“ also ausgewaschenen Becken an einem Flusslauf anzukommen und uns dort zu entspannen und die Gegend zu erkunden.



Ich konnte der Versuchung nicht wiederstehen und sprang in das kühle Nass. Am Montagmorgen machten wir uns auf den Weg nach Bundaberg, von wo aus wir dann weiter nach Agnes Water fuhren.

Zuckerrohr


Georg(leicht bekleidet) und das Wasserloch:


Georg(wieder üppiger bekleidet) und Luise vor dem Wasserloch:


Nanu, was ist das?

Achja, derjenige der mir als erstes die richtige präzise Antwort geben kann, bekommt natürlich wie immer einen unbezahlbaren Preis, diesmal eine Postkarte!

Sandra, die Frau von Armin, ist Lehrerin:



" Wann sind wir endlich daha?? "



Die Wessels und zwei Köpkes vor dem Haus der Wessels:

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Moin Dschordschy!
Ich dachte zu erst an morsches Holz, aber ich denke es ist es ist ein aufgeklapptes Schokocremesandwich!
Gruß Heiko

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Sehr gut, Heiko!
Das ist vollkommen richtig!
Wobei ich deine Umschreibung für "Nutellabrot" sehr gut finde!

Die nächsten Tage werde ich eine Postkarte mit dem Ziel "Heiko H. aus H." auf den langen Weg schicken!

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Yuhuu
Ja denn Nutella gibts doch OZ nich, oder etwa doch?^^

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