Sonntag, 22. Mai 2011
Ich grüße euch
, Freunde des geschriebenen Worts! Mein letzter Beitrag, ist nun auch schon wieder eine Woche her und ich habe mir vorgenommen, mal wieder regelmäßig was von mir hören zu lassen. Bevor ich den Bericht meiner Reise chronologisch weiterführe, muss ich erst eine Sache loswerden, die sich schwer anders einordnen lässt!

An einem durchschnittlichen Herbsttag in Australien (in Deutschland wäre es ein überdurchschnittlicher Sommertag gewesen^^) zog ich durch ein großes Einkaufszentrum in Brisbane, das sog. „Centro Toombull“ . Ich hatte für knapp 60$ beim Aldi eingekauft und schob mein Wägelchen in Richtung meines Autos. An einem aufgebautem „Verkaufsstand“, eig. waren es nur Tische mitten im Gang, fiel mir etwas auf. Es handelte sich dabei um kleine Plastikbausteinchen, mit denen man fast alles in kleinem Maßstab nachbauen kann und die höllisch weh tun, wenn man barfuß auf sie drauf tritt! Richtig, es handelte sich um LEGO!!! Da ich Lego hier noch nicht so oft gesehen hatte, nahm ich mir die Zeit und schaute mir ein paar Sets an. Es gab Ritter und Burgen und Polizeistationen und Westernsaloons…undundund…aber irgendetwas war faul.


Es vergangen einige Sekunden bis ich bemerkte, dass das Lego- Logo auf den Verpackungen fehlte. Gelbe Runde Buchstaben auf rotem Grund. Stattdessen musste ich zu meiner großen Bestürzung fest stellen, dass mir unbekannte Firmen (ja, nicht nur eine) aus China dieses Spielzeug hergestellt hatten. „Wie können diese verdammten W*****r es wagen LEGO zu imitieren?!“, ging mir durch den Kopf. BMW- Geländewagen, Digitalkameras, Stihl- Motorsägen usw. Alles schön und gut, sollen sie machen, aber die sollen ihre kleinen, dreckigen, gelben Reisfresserhände von LEGO lassen! Kaum zu fassen! Wahrscheinlich sind die kleinen Chinamännchen aus Plastik auch noch höchstgradig mit irgendwelchen krebserregenden Stoffen verseucht.

Auf den Schock, kaufte ich mir erstmal zwei leckere Sushirollen und setzte mich hin um sie zu essen (das war nichtmal Ironie, Sushi kommt nämlich aus Japan und die haben bekanntlich ihre eigenen guten Ideen, was wäre die Welt zum Beispiel ohne Nintendo???). Während ich also aß, war ich ganz aufgwühlt und es kamen Erinnerungen aus meiner Kindheit hoch….Weihnachten 1995 oder 96. Ich bekam die große Legofeuerwehrstation im Wert von 99,95 DM.



Das schönste Weihnachtsgeschenk, an das ich mich erinnern kann. Den ganzen Abend verbrachte ich damit, der Anleitung folgend, die Station aufzubauen, nebenbei Weihnachtsleckereien verspeisend. Mein großer Bruder hatte die Polizeistation bekommen und war somit auch beschäftigt. Ich bezweifle, dass König Salomo es hätte besser machen können, als der Weihnachtsmann anno 1995 (oder 96). Am nächsten Tag wurden wie verrückt Verbrecher gejagt und Brände gelöscht. Und selbst wenn der Weihnachtsbaum in Flammen aufgegangen wäre, meine kleinen Kameraden hätten ihr Legomännchen gestanden.

Meine ersten selbstverdienten 50DM (ich wollte eig bis 100DM sparen ;) ) investierte ich in eine Western-Sheriff Station mit kleinem Gefängnis. Der Pfeffer in der Suppe war, das man bei der kleinen Zelle durch einschieben von Lego-Dynamit einen Federmechanismus auslöste, durch welchen eine Wand „weggesprengt“ wurde! Welch GE-NI-ALITÄT!

An einem verkaufsoffenen sonnigen Sonntag kaufte ich mir mit meinem großen Bruder beim Spielwarenhandel Steuber in Hameln für 150 DM das Western- Fort "Legoredo".



Beim Aufbauen jedoch, kam das unfaire Recht des Älteren zum tragen, bzw. er machte es geltend und ich musste mich die meiste Zeit mit der Zuschauerrolle begnügen. Such is life! (looif, wie der Aussie sagen würde :D )

Viele Stunden habe ich damit verbracht in unserer „Legokiste“ nach einem bestimmten, in der Kiste nur einmal vorkommenden Teil zu suchen. Was für ein Moment der Glückseligkeit, wenn man es gefunden hatte, herrlich!

Ohh boy, ich könnte ein Buch über meine Erfahrung und Beziehung zu Lego schreiben. Und jetzt sowas… doch damit nicht genug, während die cleveren Dänen bei den Themen immer moderne Kriegsführung vermieden haben, um den friedlichen Spiel-,Lern- und Kreativitäscharakter zu wahren, gibt es bei Chinalego natürlich Panzer, Haubitzen, Maschinengewehre und Kasernen mit rotem Stern auf dem Dachgiebel. Find ich nicht gut…

Zu meiner Erleichterung und Erheiterung erfuhr ich heute auf dem Trecker sitzend über das Radio, dass die Leute aus dem Land des Drachen schon für diesen Frevel bezahlen. Und zwar habe ich in den Nachrichten gehört, dass in China Wassermelonen explodieren! Bis jetzt sind wohl 45 ha davon betroffen…den schwachen Erklärungsversuch der Moderatorin, die was von zu schnellem Wachstum faselte, hörte ich gar nicht mehr richtig zu, denn ich kenne den wahren Grund: Kleine Sünden….

Das war ein ganz schön langer Exkurs, aber wer mal bei Herrn Centner (Ruhe er in Frieden) Unterricht gehabt hat, ist das gewöhnt, mit dem Unterschied, dass ich nicht immer wieder beim Holocaust lande, wobei das mit dem Lego auch ganz schön hart ist.

Ich glaube ich hatte schon mal erwähnt, dass man meine Beiträge manchmal nicht allzu ernst nehmen sollte, aber besonders angesichts des letzten bösen Witzes, distanziere ich mich in jeglicher Form von Rassismus und Fremdenhass. Es ist auch nicht meine Absicht, den Völkermord im 3. Reich zu verharmlosen.
Aber wie Roberto Blanco (ein herrlich selbstironischer Künstername übrigens) schon sang: „Ei‘ bisschen Spaß muss sein…“

Damit meine Erfahrungen hier nicht viel zu kurz kommen nun ein wenig von meinen Erlebnissen. Am 1. Mai verließ ich die Milchfarm, wobei mir der Abschied schwerer fiel, als gedacht. Die netten Leute und Kühe waren mir wohl doch mehr ans Herz gewachsen, als erwartet.



Nachdem ich mir in der Nähe ein Navigationsgerät der Gebrüder Tom für 100$ beim dicken Schmidt (Dicksmith, ein Elektrofachgeschäft) günstig erworben hatte fuhr ich nach Sydney um eine Autoversicherung abzuschließen, denn: Wer aus der Vergangenheit nicht lernt, ist verdammt sie zu wiederholen!

Bei der AAMI-Zweigstelle erfuhr, ich dass es 50$ billiger ist, die Versicherung im Internet abzuschließen, was ich darauf hin auch tat. Für gute 90$/Jahr bezahlt die AAMI von mir verursachte Sachschäden am Eigentum Dritter. Damn axe (verdammte Axt)! 2900: 90 =32 Zweiunddreißig Jahre hätte ich mein Auto versichern lassen können. Naja, ich kann es, wie gesagt, nicht mehr ändern!

Wohl geleitet und abgesichert fuhr ich weiter nach Newcastle um dort die Nacht zu verbringen. Am nächsten Tag fuhr ich zur größten Sanddüne Australiens (oder sogar der südl. Hemisphäre?) um dort ein bisschen zu entspannen, rumzudödeln, eine Sandburg zu bauen, Tagebuch zu schreiben und so weiter.









Gegen Abend fuhr ich noch in das als Weinanbaugebiet bekannte „Hunter Valley“. Dort suchte ich mir ein Weingut und machte eine Weinprobe und unterhielt mich währenddessen mit dem Besitzer über Gott und die Welt. Ein Wein tat es mir besonders an, weshalb ich eine Flasche desselben erwarb. Und wo ich jetzt so daran denke, ist gerade ein super Moment um die Flasche aufzumachen. Ob der Tropfen edel ist, weiss ich nicht, auf jeden Fall schmeckt er sehr gut! Es handelt sich um einen Chardonnay, Baujahr 2007. An jenem Abend also fuhr ich noch weiter (ich hatte wirklich nur ein paar klitzekleine Schlückchen probiert!) nach Norden, da ich mich mit Fabian treffen wollte, der mittlerweile in Byron Bay war(liegt 200km südlich von Brisbane)! Ganz bis dorthin schaffte ich es an dem Abend nicht, aber ich legte trotzdem ca. 500km zurück.


Am Tag darauf trudelte ich gegen Mittag ein und dank der modernen Telekommunikation schafften wir es sogar uns zu treffen! Ich habe mich echt gefreut, den Fisch mal wieder zu sehen. Er war auch nicht allein, nein, er war inmitten einer multinationalen Horde, wovon ein Großteil französisch sprach. Wir verbrachten die Zeit dann mit am Strand rumbutschern und am Abend gingen wir in den „Cheeky Monkey“. Leider ist mein Erinnerungsvermögen an dem Abend aus bis jetzt noch nicht geklärten Gründen stark eingeschränkt.

Fakt ist jedoch, dass am nächsten Morgen meine schwarze Hose von H&M weg war und ich sie auch nicht wieder finden konnte. Das war ärgerlich, aber ein verkraftbarer Verlust. Am nächsten Tag wurden aber meine Schuhe geklaut und das kam so: Am Abend zuvor hatte es geregnet. Da wir aber bei Fabians Hostelhütte mit Michael coole Bilder mit Langzeitbelichtung machen wollten, ging ich zu meinen Auto, stellte die Schuhe raus(beide Paare), da sie im Weg waren, nahm die Knicklicher vom Aldi mit und vergaß die Schuhe draußen. Deshalb wurden sie nass. Das fiel mir am nächsten Tag negativ auf und deshalb stellte ich sie auf die Motorhaube zum trocknen. Ich überlegte noch, ob es nicht ein bisschen zu leichtsinnig wäre, jedoch kam ich zu dem Entschluss, dass sie nun wirklich nicht mehr so toll aussahen und wie gesagt auch nass waren. Nachdem ich aber vom duschen zurück kam musste ich entsetzt feststellen, dass sie weg waren. Was für eine bemitleidenswerte, armselige Kreatur klaut denn bitteschön gebrauchte Schuhe????? Meiner Meinung nach sollte man Schuhdiebe auspeitschen, sie barfuß über Disteln laufen lassen, ihre Füße anschließend in Alkohol tränken und sie zu guter Letzt mit Schnürsenkeln an ihren Genitalien aufhängen! Um ihren Hals wird noch ein Schild gehängt: „Ich verdiene kräftig Hiebe, weil ich fremde Schuhe liebe!!!“ Meine fehlenden Schuhe hatten zur Folge, dass ich für die nächsten drei Stunden jede Person mit verstohlenen Blicken auf sein Schuhwerk hin untersuchte. Ohne Erfolg, latürnich! Mein Vertrauen in das Gute im Menschen wurde ebenso geschmälert.

(Archivbild)

Da sind sie, unten links im Bild. Pest und Cholera, sowie chronisch unkontrollierten Dünnschiss demjenigen, der sie entwendet hat!!!

Damit nicht genug, um den Tag abzurunden, verlor ich, als ich mit Fabian und Anthony beim Leuchtturm war, mein Stativ.



Danach trennten sich unsere Weg auch wieder, Fabian fuhr weiter nach Norden, während ich mich noch ein bisschen in der „Rainbow-Region“ entspannen wollte. Also fuhr ich am Freitag, dem 6. Mai nach Lismore. Am Samstag schaute ich mir die hübsche Stadt an ging in die örtliche Bücherei und ließ ein wenig meine Seele baumeln. Wobei meine Seele für die nächsten 7 Tage aus dem baumeln nicht mehr heraus kommen sollte. Nachmittags fuhr ich in das Hippie Städtchen Nimbin. Nimbin heißt im örtlichen Aboriginiedialekt „baumelnde Seele“. Nein, das habe ich mir gerade ausgedacht, aber es würde gut passen.

Die Umstände, wie ich zu dem Hostel kam hatte ich glaube ich beim letzen Beitrag erläutert. Dort lernte ich Ricky und Hannah aus Südlondon und Greg und Robin aus der Schweiz kennen. Mit diesen netten Leuten verbrachte ich den Abend und am nächsten Tag fuhren wir zu einem alternativen Handwerkermarkt, der mir sehr gut gefiel. Während man über den Markt schlenderte wurde die Nase von verschiedensten wunderbaren Gerüchen gereizt. Sei es handgemachte Seife, frischer Kaffe, leckere Bratwurst oder andere Leckereien. Greg zeigte sich sehr spendabel und bezahlte Ricky für 5$ eine Gesichtsbemalung. Das Motiv war „ clown“, was ihm auch sehr gut gestanden hat. Danach fuhren wir noch zu den Mynion Falls, wo wir dann auch Ade sagten, da ich wieder nach Nimbin fuhr, die anderen aber nach Byron Bay.


Hoffentlich geht den Personen gut!^^








Die nächsten Tage verbrachte ich unspektkulär. Ich hing den Tag über mit den anderen rum, ging einkaufen oder las ein bisschen. Wenn ihr die Bilder sehr, werdet ihr verstehen, wieso ich keine große Motivation hatte irgendwas Besonderes zu unternehmen. Abends schaute ich fern oder saß vorm Lagerfeuer.



Mit Konrad und Matthias am entspannen! ;)


Der Pool....war allerdings etwas zu frisch, ich hab nur mal die Füße reingehalten.




Der Fernsehraum mit Shannon, der kleine coole Australier mit dem mysteriösen Alter! ;)






Der Parkplatz:


Die Megageilen Hängematten!!!



Die Aussicht vom Parkplatz aus:






Ich hatte auch Mäuse im Auto, die mittlerweile aber wieder draußen sind. Nachts haben sie mich erst sehr genervt, nach zwei Nächten hatte ich mich aber daran gewöhnt. Ich kaufte mir auch eine Mausefalle, aber obwohl in meinem Auto mind. vier Mäuse das Zeitliche segneten waren immer noch welche da. Als ich dann Nimbin den Rücken bzw. das Heck kehrte waren aber auch die Mäuse verschwunden. Nimbin bzw. das Hostel zu verlassen fiel mir dann auch schon wieder schwerer, als mir lieb war. Innerhalb kurzer Zeit hatte ich den Ort und die netten Leute lieb gewonnen. Ich fuhr also weiter Richtung Norden in Richtung Tyunga, wo ich am Montag, dem 16.5 ankommen wollte. Ich machte noch einige Zwischenstopps in Surfers Paradise, Brisbane und Toowoomba. Am Montag kam ich um die Mittagszeit auf der Farm an und fing an mein Auto auszuräumen und ging dann zur großen Halle um abzuchecken, ob irgendwas Spannendes passiert war oder anstand. Zum Glück waren alle so geblieben, wie ich sie kennen gelernt hatte und auch James, Johannes‘ Hund, (der ein bisschen wie Rantanplan ist) war nicht unbedingt schlauer geworden. Dafür war er noch genau die treue Seele und er freute sich auch, mich wieder zu sehen.

Nachdem alle Wichtigkeiten/Unwichtigkeiten ausgetauscht waren, ging ich zurück zu meinem Domizil und stellte mich auf einen entspannten Montag ein. Nach einer Stunde jedoch kam Bob und fragte, ob ich nicht Lust hätte, an jenem Tag etwas Produktives zu tun. Da ich aus dem Land der großen Eichen komme, konnte ich natürlich nicht „Nein“ sagen und so fand ich mich eine Stunde später auf einem grüngelben Trecker wieder. Ich verbrachte die ganze letzte Woche fast ausschließlich auf einem John Deere. Details dazu gibt’s beim nächsten Mal….

Und jetzt noch ein Bild aus der Kategorie:"Was ihr schon immer mal sehen wolltet!!!"



Liebe Grüße an die Füße:



Mein Fuß nach 8h Gefangenschaft im Arbeitsschuh!

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