Dienstag, 20. September 2011
Over the Rainbow...
Zur Einstimmung ein kleines Gedicht, gelesen auf einer Toilette irgendwo am Highway zwischen Rockhampton und Mackay:

Some poeple come here to sit and think
Some people come here to shit and stink

I come here to scratch my balls
And read the writing on the walls

Zwar literarisch nicht ganz so hochwertig wie Shakespeare, aber es reichte um mich positiv zu überraschen und amüsieren.

So, dann will ich auch mal wieder was von mir hören lassen. Das hat auch mein Auto, der Ford Falcon getan, der Auspuff war nämlich durchgerostet und dementsprechend hatte sich sein Klang etwas verändert. Als das Auspuffrohr noch in Ordnung war kann meine seine Geräuschemissonen im Vergleich zu seiner Leistung und seiner Motorgroße eher als unauffällig, schüchtern bezeichnen. Im jetzigen Zustand ist der Sound aber eines 190 PS Triebwerks angemessen, worüber ich mich erstmal freute und einige Male bei Tempo 100 in den dritten Gang zurückschaltete und das Gefühl von Sportlichkeit genoss. Einige mögen sich noch an mein Motorrad erinnern, welches ich sehr gerne fuhr und dessen Lärm für mich manchmal wie Musik in meinen Ohren war, für viele andere aber wahrscheinlich so angenehm wie Kleinkindergeschrei ist. Apropos, momentan bin ich bei Armin und dessen Söhne sind knapp zwei Jahre(Steve) und vier Monate(Scott Matthias „Matze“) alt. So komme ich in den Genuß wieder etwas Artikulation der unangenehmeren Art mitzubekommen, die ich sonst nur noch von meinem kleinen Bruder in Erinnerung hatte. Dabei interessant finde ich immer wieder die Sekunde der Stille, die nach anfänglichem Rumgeheule auftritt und in der man sich denkt: „Nanu, schon vorbei?!“ und es dann mit voller Lautstärke weiter geht, da das nur eine Pause zum Luft holen war. Vergleich ist das mit der Sekunde, die das Männchen in Automatikgetrieben braucht um nach einem Kickdown all die Zahnräder und Wellen so zu sortieren um dann die volle Motorleistung zur Verfügung zu stellen. Wie dem auch sei, bei meinem tapferen Reisegefährten, dem Falken, geht mir das sonore Brummen im 5. Gang (in dem ich meistens unterwegs bin) aber mittlerweile auf den Geist und ich werde es reparieren lassen.

Wie ihr von meinem letzten Eintrag wisst, war ich in Noosa und genoß das Leben. Wie ihr auch wisst, sind mir meine Laufschuhe abhanden gekommen und ich habe mir bis jetzt noch keine neuen gekauft. Um mir aber eine sportliche Beschäftigung zu verschaffen kaufte ich mir nach einer ein-tägigen Testphase ein Surfboard. Dazu beigetragen hat auch, dass Bruno so nett war mir seinen alten Wetsuit (Neoprenanzug) zu schenken, der verhindert, dass ich im Wasser anfange zu frieren.

Sonnenuntergang bei Noosa:


Bruno und Margot sind von der französischen Karibikinsel Guadeloupe und reisen mit ihrem Van und ihren Surfboards an der australischen Küste entlang. Jedoch sind sie keine Anfänger auf ihren Brettern, so wie ich, sondern vielmehr Virtuosen und es macht Spaß ihnen beim Wellenreiten zuzuschauen. Ich freue mich schon über das Gefühl der Beschleunigung, wenn einen eine Welle mitnimmt und es mir gelingt mich auf das Brett zu stellen. Einen Tag machten wir einen Ausflug in die Glasshouse Mountains, die im wesentlichen aus einigen Überbleibseln von erloschenen Vulkanen bestehen, die mehr oder weniger Steil aus der Landschaft ragen. Wir entschieden uns für eine recht anspruchsvolle Wander/Kletter Strecke, die für „erfahrene Kletterer“ empfohlen war. Ich sagte mir, dass ich noch einige Fähigkeiten meiner evolutionären Vorfahren haben müsste, da ich schon erfolgreich in heimischen Äpfel- und Birnbäumen herumgeturnt bin, ohne mir das Genick zu brechen. Diese Herausforderung sollte sich aber als etwas schwieriger herausstellen. Nach einigen Hundert Metern steiler Wanderstrecke kamen wir zum ersten Teil der Strecke, der zweifelsohne etwas Geschick und Mut erforderte. Bruno und Margot entschieden sich dazu, zu warten und einen Happen zu essen, während ich mich dem Berg stellte. Ich muss zugeben es war manchmal nicht ganz einfach und beim zurückschauen hatte ich das ein oder andere Mal schon ein mulmiges Gefühl im Magen, aber letztendlich habe ich es geschafft und es hat mir sehr viel Spaß gemacht. Wobei das Herunterklettern natürlich schwieriger ist, da man nicht so richtig sieht, wo man hintritt und sich deswegen ab und zu etwas hilflos vorkommt. Dieser Umstand führt wahrscheinlich dazu, dass am Mt. Tibrogargan pro Monat zwei Mal Kletterer gerettet werden müssen. Mit etwas Stolz kann ich berichten, nicht in diese Statistik mit eingegangen zu sein. Danach bestiegen wir noch Mt. Ngungun, von dem man eine prima Aussicht hatte. Was wir gemacht haben, als wir wieder in Noosa waren, weiss ich zwar nicht mehr, aber ich habe mit Sicherheit sehr gut in meinem Auto geschlafen.

Bruno und Georg in den Bergen:


Es ging steil bergauf:


Vom rechten Hang aus wurde der Berg bezwungen:


Georg, Bruno und Margot auf dem Mount Ngungun:


Ein schlängelnder Wanderpfad in den Glasshouse Mountains:



Weiterhin habe ich einige Stunden in der städtischen Bücherei von Noosa verbracht, da man dort kostenlos das kabellose Internet nutzen konnte und ich mich so um finanzielle Angelegenheiten kümmern konnte, sprich: Steuererklärung! Das Steuerjahr endet am 30. Juni und man hat bis zum 30. Oktober Zeit eine Steuererklärung einzureichen. Das tat ich via E-Tax, dem Computerprogramm für die Steuererklärung der Australischen Regierung. Ich habe mich zwar einige Stunden mit dem Programm beschäftigen müssen, konnte aber so einige Dollars sparen, die ich sonst für einen Steuerberater hätte bezahlen müssen. Und obendrauf hatte ich noch Erfolg und erhielt vor gut zwei Wochen einen Großteil der von meinen Arbeitgebern bezahlten Lohnsteuer zurück, da ich als Geringverdiener angesehen werde! Très bien!

Am Freitag, dem 12. August fuhr ich weiter nach Rainbow Beach, ein Ort, in den ich mich schon bei meinem ersten Besuch verliebt hatte. Ich suchte mir ein nettes Hostel und buchte einen Schlafplatz Dorm-room, da auf dem Parkplatz kein Platz mehr für mein Auto war, und ich dort nicht stehen und schlafen konnte, was ich normalerweise mache. Abends kamen dann per Zufall auch wieder das nette Realschullehrerpärchen aus Mannheim in dem Hostel an, das ich schon in Noosa getroffen hatte. Den Abend verbrachte ich mit dem Genuß von Alkohol.

Irgendwann im Laufe des Abends kamen auch drei „Aussies“ zum Lagerfeuer, die am Tag ein Angeltour gemacht hatten. Vor allem männliche Australier lieben es zu Angeln. Ich durfte mir dann begeisterte Erzählungen von ihrer Tour anhören und gleichzeitig Bilder von großen Angeln und großen Fischen anschaun. Einer von den dreien hatte schon einiges an Alkohol in sich und da ich mich nicht an seinen Namen erinnern kann, nenne ich ihn einfach „Dickhead“. So wurde er nämlich meistens von seinen Kameraden genannt, mit der liebevollen Aufforderung: „Shut up, dickhead!“
Er wiederholte sich nämlich fast schon penetrant, in dem was er uns mitzuteilen hatte. Am Anfang wurde er zum Beispiel nicht müde mir folgendes mitzuteilen „If you wanna do somthin, doun hesitate, just do it!“ Diesen Satz hörte ich wohl 20 Mal in 10 Minuten.

Dann kam es zu folgender Situation : Ich ließ meinen angefangenen Sechserträger auf einem Tisch stehen. Als ich eine halbe Stunde später kam, war das Bier weg und die Plastikverpackung im Mülleimer. Ich fand eine meiner Flaschen bei Dickhead am Lagerfeuer wieder und konfrontierte ihn mit der Lage, die Unzufriedenheit meinerseits hervorrief. Das sollte ich bereuen. Anfangs gab er an, er wüsste gar nicht, wo die Flasche herkäme, was ich ihm in seinem Zustand sogar glaubte. Dann änderte sich sein Gemütszustand und er schien zu verstehen, dass er wirklich mein Bier trank und er wurde furchtbar reumütig und es gibt kaum was nervigeres als einen Besoffenen der sich seiner Schuld bewusst wird. Nachdem er dann also ein paar mal gesagt hatte, dass es ihm Leid täte, sagte ich ihm dass es nun in Ordnung sei. Davon schien er aber nicht überzeugt und er heulte mir weiterhin die Ohren voll, dass es ihm soooo Leid täte und er sich soooo schlecht fühle. Dieser Zustand hielt bestimmt für 20 Min an und sein Lieblingssatz wurde: „ Mate, I’m sooo sorry!“ Irgendwann sprach auch ich die magischen Worte aus:
„Shut up, dickhead!“ Danach bekam ich dann für das verschwundene Bier eine halbe Flasche selbstgebrannten Rum von seinen Freunden, der nicht schlecht schmeckte. Irgendwann gegen zwei oder drei Uhr in der Früh begab ich mich dann zu Bett, welches sich ja in dem Dormroom befand. Diesen teilte ich mir mit zwei Irinnen und Tom aus „Mannchista“.

Ironisch fand ich, dass Dormroom ja offentsichtlich vom französischen „dormir-schlafen“ kommt, ich aber nicht allzuviel Schlaf bekam.
Um sechs Uhr klingelte zum ersten irgendein Handywecker und von da an war es um meine Nachtruhe geschehen. Nach und nach klingelten noch zwei andere Handywecker , die sich dann in den Kanon der unterschiedlichsten Wecktöne mit einfügten. Um 10 Uhr stand ich dann auf, übrigens so, wie ich ins Bett gegangen war, mit Jeans und Pulli, welche etwas verraucht waren. Die nächsten Tage verbrachte ich dann mit den unterschiedlichsten Leuten und den unterschiedlichsten Dingen in und um Rainbow Beach. Ich trank einige Liter an Bier, verbrachte viele Stunden am Lagerfeuer, Surfte auf der ein oder anderen Welle, lauschte Gitarrenmusik, hing am Strand rum, machte eine Tour nach Fraser Island und vergnügte mich anderweitig. Kurz gesagt: Ich hatte ein Superzeit!

Ab und an hinterlasse ich auch einen Fußstapfen:


Über Rainbow Beach:


Georg im großen Toyota Land Cruiser:


Im klaren Wasser des Lake MacKenzie:


Indian Head:


Georg, der Entdecker ferner Kontinente:


Alkoholisiert+Holz hacken=


Georg, der Entdecker fremder Kulturen:

(Briten in diesem Fall: Ryan, George, Luke und Tom)

Nach zehn Tagen zog ich dann weiter und fuhr nach Childers, wo das Gästebett von Armin auf mich wartete. Vielleicht erinnert ihr euch noch an seine Familie, die mittlerweile Zuwachs bekomme hat. Jener ist mittlerweile 4 Monate alt, 8 Kilogramm schwer und ein sehr nettes Kind. In den folgenden Tagen betätigte ich mich überragend als Kümmerling und kümmerte mich um Sachen, die zu erledigen waren. Wenn man sonst so ein Pflichtenfreies Leben führt kann da ein Gang zur Post schon eine große Sache werden.

Ansonsten kümmerte ich mich ab und zu um Stevie und die kleine dicke Hummel Matze, der so lange ein kleines Bündel friedfertiger Glückseligkeit war, bis ihn das Verlangen nach Mutterbrust packte, welches ich nun wirklich nicht erfüllen kann. Einen Tag half ich Armin auch dabei etwas Zaunbau zu erledigen, „fencing“.

Georg und der alte Massey Ferguson:


Stacheliger Draht, deshalb in Fachkreisen auch Stacheldraht genannt:


Matze, der kleine dicke Koala und Luise:


Georg, der Wal:


Zwei Spaßvögel:


Am australischen Vatertag (dieses Jahr war es der 4.11.) packten wir ein Picknickpäckchen, wobei Sandra leider ihren Kartoffelsalat im Kühlschrank vergaß und fuhren nach Woodgate an den Strand. Auf dem Weg dorthin wurde ich zum gefühlten ersten Mal Zeuge von sinnvoller Elektronik in einem Automobil. Dazu sei gesagt, dass ich kein Gegner des Fortschritts bin, ich jedoch manchmal den Eindruck habe, dass manche „Sicherheitssysteme“ mehr Ärger als Nutzen haben.

Wie dem auch sei, nach ca. fünf Kilometern gefahrender Strecke, zeigte der Boardcomputer des VW-Jetta folgende höfliche Aufforderung an: „Please check tyres“ (in Australien wird der Reyfen mit Y geschrieben). Tun wir das mal lieber, dachten wir uns und hielten am Straßenrand an. Und wirklich, der linke Hinterreifen war schon etwas luftlos/lustlos und Armin konnte nach dem demontieren auch einen kleinen Nagel in ihm entdecken. Das Reifen wechseln passierte bei so viel gebündelter Fachkompetenz in Rekordzeit, wir konnten weiter fahren und unser sehr schönes Barbecuepicknick am Strand machen.



Aus Wissensdurst informierte ich mich noch in der Bedienunsanleitung, woher der VW den von dem Malheur wusste: Das System welches die Reifengeschwindigkeiten für das ABS kontrolliert, vergleicht auch bei normalem Fahrbetrieb die Reifengeschwindigkeiten. Da ein platter Reifen an Umfang verliert muss er zwangsläufig schneller rotieren, um mit seinen drei Kameraden Schritt zu halten, was dem Computer auffällt und ihn dazu veranlasst eine Warnmeldung abzugeben. Ein einfaches und sehr effektives System. Manchmal bin ich wirklich von menschlicher Genialität erstaunt und freue mich darüber. Was könnte die Menschheit schon weiter sein, wenn man die für Konflikte aufgewandte Energie in Forschung investiert hätte.

Am 6. September holte ich dann die Luise von Hervey Bay aus ab. Wir verbrachten noch ein paar Tage bei Armin, von denen vor allem Sonntag, der 11.9. erwähnenswert ist. Es war Armins Geburtstag und seine Nachbarn waren so nett, sich für ein paar Stunden um die Kinder zu kümmern, so dass die Erwachsenen einen Ausflug nach „Utopia“ machen konnten. Wer auch immer sich diesen Namen für dieses schöne Fleckchen Erde ausgedacht hat und wen auch immer damit angelockt werden sollte, bei uns hat es funktioniert. Übrigens wurden wir nicht enttäuscht sondern verbrachten einen sonnigen Sonntag damit etwas durch den australischen Busch zu wandern und dann bei sog. „rockpools“ also ausgewaschenen Becken an einem Flusslauf anzukommen und uns dort zu entspannen und die Gegend zu erkunden.



Ich konnte der Versuchung nicht wiederstehen und sprang in das kühle Nass. Am Montagmorgen machten wir uns auf den Weg nach Bundaberg, von wo aus wir dann weiter nach Agnes Water fuhren.

Zuckerrohr


Georg(leicht bekleidet) und das Wasserloch:


Georg(wieder üppiger bekleidet) und Luise vor dem Wasserloch:


Nanu, was ist das?

Achja, derjenige der mir als erstes die richtige präzise Antwort geben kann, bekommt natürlich wie immer einen unbezahlbaren Preis, diesmal eine Postkarte!

Sandra, die Frau von Armin, ist Lehrerin:



" Wann sind wir endlich daha?? "



Die Wessels und zwei Köpkes vor dem Haus der Wessels:

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Freitag, 5. August 2011
Alles hat ein Ende...
Nachdem ich also die Arbeit auf dem Modulebuilder beschrieben habe, komme ich zum Bollbuggy fahren. Theoretisch könnte zwar der Pflücker auch selber zum Modulbuilder fahren und dort seine Baumwolle abkippen, jedoch würde das viel Zeit kosten. Zudem kann man mit dem Buggy die Baumwolle besser im Modulbuilder verteilen.



Gezogen wurde der Buggy vom 7810, ein ganz schöner Traktor, wenn auch noch nicht so modern wie der 7930. Beim 7810 kann man aber wenigstens noch die beiden Seitenfenster aufmachen und so dem wundervollen Klang des 6-Zylinder-Motors lauschen.

Beim Buggyfahren macht man dann folgendes: Man fährt versetzt links hinter dem Pflücker her und wartet darauf, dass der Korb voll ist.



Ist das der Fall muss man neben den Pflücker fahren, damit dieser die Baumwolle überladen kann. Hierbei muss man sich dem Picker asymptotisch annähern. Für alle, die nicht vor ein paar Jahren Abitur gemacht haben oder übermäßige Freude an der Mathemaik haben, das heißt: So nah wie möglich dran, OHNE ihn zu berühren. Dieses Spielchen ist sowieso ein Beliebtes in der Landwirtschaft. Das Problem ist, dass wenn man berührt, (touché, sozusagen) es entweder gewaltig kracht, oder auf längere Zeit gesehen Schäden auftreten. Wenn man zu weit weg ist, wird die Arbeit nicht vernünftig erledigt. Beim Buggy fällt dann Baumwolle auf den Boden.

Um noch ein Beispiel zu nennen. Mit dem Mulcher, mit dem die Baumwollsträucher nach der Ernte kleingemulcht werden, versucht man die Pflanze so dicht wie möglich über dem Boden abzuschlägeln, ohne den Boden mit den Schlägeln zu berühren.



Ist die Baumwolle sicher im Buggy, düst man los in Richtung Module Builder um dort wieder schön dicht neben den Builder zu fahren. Dann wird der Korb gekippt und die Baumwolle wird mit den Kratzketten in die Modulpresse befördert. Ist der Buggy dann leer, senkt man den Korb wieder und schaut nach was der Picker macht und das ganze Spiel beginnt von neuem.

Hört sich zwar recht simpel an, man muss aber doch ein bisschen mitdenken, vor allem wenn man für mehrere Pflücker zuständig ist. Und da man nicht unnötig viel auf dem Acker rumheizen will, um unnötige Bodenverdichtung zu vermeiden, muss man sich merken, welcher Pflücker wohl wann voll wird und dann auf dem Feld hinter ihm her fahren. Pikant wird das, wenn die Pflücker unterschiedlich große Körbe haben.

Deswegen ist man auch viel mim Funkgerät am quasseln.
Georg:„ You’re on channel, Bob?“
Bob: „Yes, dschooodsch”
G:”You think you gonna make it to the top or what?“
B:“Yeah , if you wanna pick me up on my way down?!”
G: “Alrighty-o!”



Da die Felder hier bewässert werden und sie dementprechend ein leichtes Gefälle haben, sind die Vorgewenden immer „Top“ oder „botton“.

Ein paar mal habe ich auch auf dem Baumwollpflücker gesessen und ihn gesteuert, jedoch nie für eine längere Zeit. Theoretisch weiss ich auch, was man wann machen muss, jedoch ist wohl, wie bei so vielen Maschinen nicht die allgemeine Bedienung die Schwierigkeit, sondern die Fähigkeit angemessen und fix mit auftretenden Problemen umzugehen.






Fast selbsterklärend.


Ein Problem der eher gefährlicheren Art hatte Edward dann. Nachdem schon etwas Rauch aus seinem Pflücker gekommen war, kam er am Vorgewende an und ich bemerkte brennende Baumwolle, die aus dem Pflücker fiel. Also hielt er an und wir versuchten das Malheur unter Kontrolle zu bringen. Sehr hilfreich war, dass auf dem Wasserfeuerlöscher des Pflückers kein Druck mehr war und er deshalb so nützlich war, wie Diesel für einen Benzinmotor. Also schlug ich vor, dass Edward mit dem Ute zur Halle fährt und einen funktionierenden Feuerlöscher holt, während ich versuchte mit Wasserflaschen und Erde die Flammen unter Kontrolle zu bekommen.











Baumwolle ist aufgrund seiner Struktur hochentzündlich, weshalb ein Funke reicht um es in Brand zu setzen. Sehr gefährlich ist auch, dass es bei Sauerstoffmangel zwar aufhört zu brennen, aber still und leise weiter vor sich hin schwelt. Wenn man also glimmende Baumwolle in ein Modul gerät, kann es ein paar Tage dauern, bis außen ein schwarzer Fleck sichtbar wird und man feststellt, dass schon fast das ganze Modul von innen verbrannt ist.

Nachdem ich dann ein paar Liter Qualm inhaliert, den Feuerlöscher präventiv über noch nicht brennender Baumwolle entleert hatte, kam Edward mit dem funktionierenden Löscher wieder und der machte einen Superjob! Wir konnten also das Feuer unter der Kabine und auf dem Differential löschen. Um sicher zu sein, dass keine Baumwolle mehr irgendwo vor sich hin schwelt, spülten wir den Pflücker mit dem Wassertruck, der dann später kam.

Außer den verschmorten Antriebsriemen und Kabelage und der Kabine ist aber zum Glück nicht viel kaputt gegangen. Ein Feuer auf dem Pflücker endet auch gern mal so, dass die ganze Maschine ausbrennt und ein paar Hunderttausend Dollars futsch sind. Glück gehabt!!

Eine andere heiße Erfahrung hatten Bob und Johannes, die die kluge Idee hatten, an einem Modulbuilder zu schweißen, in dem schon etwas Baumwolle war. Es kam wie es kommen musste. Marc und ich, die etwas weiter am Dünger streuen bzw. Grubbern waren, unterbrachen unsere Arbeit für 5 Min um blöde Witze zu machen und wilde Spekulationen aufzustellen. Wie schön ist es doch, wenn Boss und Vorarbeiter gemeinsam etwas
vermasseln.

Das Ende vom Lied: ein paar Hundert Dollar verbrennen.





Naja, wie dem auch sei…die Baumwolle ist ja wie gesagt endlich durch und ich war auch echt froh drum. Die letzte Woche durfte ich mich dann mit dem 7930 und dem Rootcutter vergnügen. Bei der Gelegenheit kann ich euch noch ein wenig vom Fortschritt in der Landwirtschaft erzählen. Die modernen John Deere Traktoren

(hier isser Mal, der springende Hirsch:)


verfügen über das sogenannte "Implement Management System" (IMS).


Rechts neben dem schwarzen Knopf sind die beiden Knöpfe mit denen ich das IMS an/ausmache /bzw. eine Sequenz anlerne/speichere.

Übersetzt heißt das Anbaugerät-verwaltungs-system. Mit diesem Programm kann man Arbeitsabläufe speichern und sie dann automatisch ablaufen lassen. Zum Beispiel, wenn ich am Vorgewende gedreht habe und wieder in die Reihen reinfahre, mache ich jedes mal das gleiche: Hubwerk(mit Rootcutter) senken, die Differentialsperre an und ich erhöhe meine Geschwindigkeit.

Im Anlern Modus speichert das Programm die Tätigkeiten in der Reihenfolge in der ich sie ausführe. Da der Traktor hochelektronisiert ist, wird das möglich. Bei älteren Traktoren steuerte man ja noch direkt über Hebel Ventile und Kupplungen, während heute nur Knöpfe und Kippschalter betätigt werden. Über Elektronik wird dann der gewünschte Vorgang ausgeführt, wie zum Beispiel öffnen eines Hydraulikventils oder Einkuppeln der Zapfwelle. Bei Pantomimischen Darstellen vom Arbeiten mit einem modernen Trecker, würde man bei Betrachtung der rechten Hand wohl eher an einen Klavierspieler oder DJ denken. Faul ist die Menschheit.

Wenn ich also dern Traktor angelernt habe, muss ich nur noch einen Kippschalter zur rechten Zeit nach vorn drücken

Links oben über dem Hasen, mit der 1 und 2 drauf.



und dann erledigt das IMS Programm alles weitere für mich und ich werde auf dem kleinen Bildschirm informiert, was gerade geschieht.



Die letzte Zeile heißt entschlüsselt:
Set Speed in Forward 1 Up to 18,2km/h
also: Erhöhe Geschwindigekit in(Schaltbereich) Vorwärts 1 auf 18,2 km/h

Hier die zweite Sequenz für das Ende einer Bahn:



Geschw. reduzieren
Differentialsperre aus
Hubwerk heben

Nach der Baumwollernte hatte ich ihn mal gewaschen:


Meine Aussichten für viele, viele Stunden:




Bei Nacht:





Meine Erde war zwei Scheiben:





Je nach Bedarf musste ich mich dann mit dem groooßen Hammer und Schraubenschlüssel am Rootcutter auslassen um die Einstellungen zu optimieren. Das kann einem den letzten Nerv rauben, wenn man ständig nur am auf- und absteigen ist und man nicht wirklich was schafft.

Schön dagegen ist es, wenn man ein Feld fertig hat und man dank Boardcomputer sieht, wie viel man geschafft hat und das in das Traktorbuch einträgt, was das Belohnungszentrum im Gehirn besonders anregt.



Ich hatte Johannes angekündigt, am Freitag, dem 29.7. meinen letzten Arbeitstag zu haben und dazu kam es dann auch fast. Am Freitagnachmittag waren noch 70-80 ha zu bearbeiten. Da ich unbedingt fertig werden wollte, was aber keine Pflicht war, entschied ich mich eine Nachtschicht einzulegen und machte bis um ein Uhr morgens.



Nochmal auftanken, bei einem Dieseltank mitten im Feld, der eigntlich für einen Pumpenmotor ist, aber praktischerweise auch eine Zapfpistole hat und man so nicht immer zur Halle zurück muss. Da der Diesel aber nur mit Schwerkraft aus dem Fass läuft, dauert das tanken ein bisschen länger.

In dem guten Bewusstsein das ganze Baumwollland bearbeitet zu haben, verabschiedete ich mich vom 7930 und fuhr mit dem Ute nach Haus.

Beim Nachbarn sprießte schon die Winterfrucht, wovon ich ein schönes Bild machte.


Am Wochenende erledigte ich noch dies und jenes, wobei ich hauptsächlich mein Auto reisefertig machte. Unter anderem hatte mich Marc zu einer Spritztour mit seinem neuen Auto eingeladen. Ein roter Holden Commodore SS Ute mit 5.7 l V8 Motor und guten 300PS. Er entschied sich auch dazu ein paar von den hart verdienten Dollars spektakulär in Schall und Rauch umzuwandeln. Ich durfte dann auch mal fahren. :)

Das Holden Emblem:








Was für ein schöner Zustand diese beiden zweifelsohne cool aussehenden Buchstaben ganz unbefangen benutzen zu können. SA steht allgemein übrigens für South Australia.

Am Montag verabschiedete ich mach dann von meinen Mitarbeitern, was natürlich wieder mal nicht leicht fiel, aber sein musste. Mittlerweile bin ich in Noosa, der Perle der Sunshine Coast und genieße das schöne Wetter. Meine Tätigkeit lässt sich wohl auch mit einem Ausdruck beschreiben, der vor allem ehem. Wehrpflichtigen Bundis geläufig sein sollte:
Rumpimmeln…

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Montag, 25. Juli 2011
Another day in paradise!
Am letzten Donnerstag beendete ich das letzte Baumwollmodul und seitdem ist die Baumweollernte vorüber. Die Überschriften, von diesem und dem letzten Beitrag, sind Sprüche, mit denen wir die Arbeitstage während der Ernte gern begonnen oder beendeten.

„Another day in paradise!“ war übrigens auch schon auf der Milchfarm ein Renner. Ido, der Israeli und ich wurden nicht müde während der kurzen Zeit unserer Fahrgemeinschaft vom grünen Palast zum Melkstand es zu sagen und darüber zu lachen oder wenigstens zu grinsen. Sehr amüsant wurde es, wenn Phil Collins“ Stimme dann über die Lautsprecher während des Melkens sein Liedchen zum besten gab, was ich sogar mitsingen kann (teilweise): „ Ohh, think twice….it’s just another for you, you and me in paradise…“

Irgendwann in der Anfangszeit auf dem AEG haben wir dieses Lied ein paar Mal im Musikunterricht gesungen. Ein anderer Song war „Eternal flame“ von ähm…ja irgendwer wird es schon gesungen haben. Aber ich kann sogar noch ein bisschen von dem Text: „Am I only dreaaaaaming or is this burning an eternal flame?! – Say my name, sunshine through the rain, a whole life, so lonely tralalala, come and ease the pain!“ Schön war die Zeit… wo Herr Alsberschnieder im Raum 127 einen für Ihn nur kaum zu bemerkenden Gast in seinem rechten Nasenloch hatte: Einen dicken gelben Popel. Von allen anderen gut wahrgenommen verweilte er dort für einige Minuten. Armer Kerl, der Pädagoge!

Zurück zur Baumwolle. Nachdem ich ein bisschen dies und jenes gemacht hatte, ging es Ende Mai los. Anfangs wurde ich in die Kunst des Modulpressens eingeführt. Mein Tutor dabei war Dick, ein Verwandter von Bob, der nur für die Ernte auf der Farm war. Dick ist ein sehr netter Zeitgenosse, ich kenne zwar seinen Nachnamen nicht, aber sein zweiter Vorname müsste eigentlich „Fucking“ lauten, da das sog. F-Word sein Lieblingswort war.



"Just 'nother fockin' day in paradoise, dschoodsch!"

Ich weiss gar nicht, ob ich mich hier schon mal über die Australier und das Fluchen ausgelassen habe. Das tun sie nämlich sehr gerne. Das Wort „bloody“ ist schon so normal geworden, dass es kaum noch als Schimpfwort aufgefasst wird, wobei es auch eher seltener so gemeint ist. Das selbe ist manchmal mit dem F-Word zu beobachten. Deswegen hieß es auch manchmal: „ Fuckin‘ beautiful, dschoodsch!“ Meist wird „bloody“ oder „fucking“ also nur als Steigerung verwendet. In den seltensten Fällen ist es wirklich bös gemeint und meistens werden auch nur Dinge beschimpft, die nicht richtig funktionieren, oder kaputt sind. Ich habe Edward noch recht gut im Ohr: „ Oh, ya f*****g lil‘ c**t of a thing.“

Das zweite zensierte Wort in dem Satz ist „cunt“, welches ich nicht übersetzen werde, es aber häufig zu gebraucht wird, um es wegzulassen. Auf der Milchfarm hatte ich (zumindest bei manchen Personen) manchmal den Eindruck es wäre obligatorisch in jeden Satz ein Schimpfwort zu verwenden. Einige Mitarbeiter hatten auch die Angewohnheit die Kühe fies und lautstark zu beschimpfen, was ich immer sehr unschön fand.

Claus, der in der Werkstatt des Betriebs arbeitete, berichtete davon, dass der inflationäre Gebrauch der Schimpfwörter in dem Bereich besonders ausgeprägt war, worüber wir uns immer lustig machten.


Von Leuten aus Neu Seeland wird gesagt, dass sie in der Beziehung noch schlimmer wären als Australier. Kaum Vorstellbar, aber einige „Kiwis“ die ich hier kennen gelernt habe, bestätigten das. Nebenbei bemerkt habe ich im Supermarkt schon Kiwis(also die Frucht jetzt) aus Italien gesehen…Globalisierung macht’s möglich.

Wo war ich stehen geblieben, bei Dick und seinen Modulen. Also, wenn der bolly buggy also neben dem Modul builder anhält und seinen Korb kippt, damit dieser mithilfe von Kratzketten entleert werden kann, balanciert man auf dem kleinen Steg zu der Plattform, auf der man die zwei Ketten separat voneinander bedienen kann und somit die Baumwolle ein bisschen verteilt, damit das Modul schön gleichmäßig wächst!






Auf dem dünnen Steg balanciert man übrigens des öfteren Mal und vor allem der des grünen Modulbuilders ist sehr interessant schmal.(muss ich noch ein Bild von machen!) Anfangs war ich noch ziemlich vorsichtig, da wenn der Builder noch leer ist, die verlockende Aussicht besteht zu beiden Seiten aus 3- 3,5 Metern auf den harten Boden zu fallen. Nachdem mein Gleichgewichtssinn sich der Herausforderung gestellt hatte und etwas feinfühliger geworden ist, turnte ich aber galant wie ein Seiltänzer über die Modulpressen!

Wo wir schon bei Gefahren sind: Bob erzählte mir folgende Geschichte, die auf einer wahren Begebenheit beruht und ich bewerte Bobs Glaubwürdigkeit mit einem AAA+++. Also : Baumwollernte, Panne unterbricht Arbeit, Frau macht Nickerchen in Modulpresse, Buggy wird entleert(Ketten auch von Traktor aus steuerbar), Baumwolle über Frau, Baumwolle wird gepresst, Frau auch, Modul fertig, Modulpresse wird abgezogen, Frau entdeckt, tot.

Ich erledigte meine Nickerchen (wenn sich denn mal die Gelegenheit bot) also nur im Ute oder auf dem Trecker.

Außerdem schien mein Unterbewusstsein von der Idee: „Lass dich mal wieder richtig drücken!“ auch nicht so begeistert zu sein und bescherte mir einen fiesen Albtraum: Ich fand mich angsterfüllt in einem leeren Module Builder wieder. Um mich bemerkbar zu machen klopfte ich wie wild gegen die Wände. In diesem Moment wachte ich wohl auf. Da es in meinem Schlafzimmer sehr dunkel ist, war ich wohl noch halb in meinem Traum und schlug auf die Wand, an der mein Bett stand, ein…nach ein paar Sekunden nahm ich dann war, dass alles in Ordnung war und dachte mir : „Mein Gott, Walter! Du solltest dir vielleicht was anderes suchen…“


Auf der Milchfarm hatte ich auch schon vom Kühe melken geträumt und die langen Kuhreihen im Melkstand waren ein fester Bestandteil meiner Gedankenwelt vor dem Einschlafen in dem Zustand, in dem man nicht mehr ganz auf der Höhe ist, aber auch noch nicht schläft.



Kranker Scheiß, echt! Mal noch was anderes, bevor ich zurück zur Baumwolle komme: Apferkerne; ich habe durch meinen Entdeckerdrang herausgefunden, dass das weiche Innere dieser nach Marzipan schmeckt. Da ich zu geizig für echtes Marzipan bin, gönne ich mir so einen kleinen Luxus!



Nachdem also die Baumwolle in der Presse ist, geht es sehr spektakulär weiter. Man setzt sich auf diesen Sitz der in der Gemütlichkeitsskala ungefähr mit Kirchenbänken gleichzieht und bedient die zwei Hebel, die den Monkey steuern.



Das ist ungefähr so spannend wie Dauerwerbung im Fernsehen oder Cricket. Der Monkey wird mit Hydraulik bewegt. Hydraulik meint in der Landmaschinentechnik das Übertragen von Kräften mittels Öl, das mit einer Pumpe unter Druck gebracht wird und dann über Schläuche und Leitungen zu Abnehmern wie Motoren oder Zylindern gelangt.


Entweder hat die Presse selber einen Dieselmotor, die eine Hydraulikpumpe antreibt




oder es wird ein Trecker mit laufender Zapfwelle vor dem Builder benötigt.




Den Monkey kann man vor und zurück und den Stempel auf und ab bewegen. Man zieht den Monkey über die Baumwolle und drückt den Stempel runter, bis er nicht mehr weiter kommt. Dann wird der Stempel wieder hochgezogen, der Monkey ein Stück weiterbewegt und das Spiel beginnt von neuem. Diesen Bewegungsablauf habe ich gefühlte 5 Milliarden mal ausgeführt und den sich unter der Last ändernden Klang des Dieselmotors noch sehr gut im Ohr…hat meine seine Baumwolle komprimiert, ist man Bereit für die nächste Ladung. Eigentlich ist es anders herum: Wenn die nächste Ladung da ist, sollte man fertig mit Pressen sein. Nach drei oder vier Baumwollladungen ist der Builder ca. halb voll mit komprimierter Baumwolle und man muss 5 Seile quer über die Baumwolle legen. Wenn das Modul nämlich fertig ist und die Presse mit einem Trecker abgezogen ist, wird an den Seilen die Plane fest gemacht. Ich habe so einige Tage auf dem Module Builder verbracht, es war aber zum Glück nicht meine einzige Aufgabe…









Bis demnächst, die Chicken Wings rufen!

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