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Dienstag, 8. Mai 2012
Wer einst zu Ehren kommen will...
Schweren Herzens habe ich für eine große Geldsumme vor zwei Stunden einen Rückflug nach Deutschland gebucht. Ich werde Australien mit einem lachenden und einem weinenden Auge verlassen. Ich freue mich auf Deutschland und den Sommer, aber ich werde Australien und das Leben das ich hier führe sehr vermissen.

Da meine Urlaubskasse aufgrund eines Ereignisses, auf das ich später noch zurück kommen werde etwas leichter geworden war, arbeitete ich den April auf einer Viehzuchtfarm in West Australien. Mark, mit dem ich zusammen auf Tyunga gearbeitet hatte gab mir die Telefonnummer seiner Mutter, die ich mal anrufen sollte, falls ich in der Gegend wäre. Gesagt, getan und glücklich wie ich manchmal bin hatte ihr Mann, der die besagte Farm besitzt auch etwas für mich zu tun, was mir sehr gelegen kam. Am 30. April fing ich also dort an. Er bewirtschaftet 1200 Acres ( ein bisschen weniger als 500ha) auf denen er 2-3000 Schafe und momentan 200 Kühe für Fleisch und Wollproduktion züchtet.

Sein Name ist übrigens Don und er ist sein sehr netter Typ, der vom genauen planen nicht so viel hält und sowieso eine recht lockere Einstellung zu vielen Dingen hegt. Auch wenn das ganze manchmal etwas unorganisiert wirkte, so ist die Farm doch in einem generell gutem Zustand und er weiss immer, was er tut. Die Maschinen sind zwar teilweise etwas alt und wirken als ob sie jederzeit zusammen fallen könnten, aber in der Zeit, in der ich dort war, gab es kein größeres „Drama“.

Die anfallende Arbeit wird größtenteils von Don selber erledigt, der deswegen auch mal länger arbeitet. Frühes aufstehen findet er auch nicht so toll, glaube ich , wir fingen morgens meistens gegen 8 Uhr an und manchmal gestand er mir, wenn ich zur Arbeit erschien: „I just fell out o‘ bed“ . Bei vielen Arbeiten, bei denen es um Mengen oder Flächen ging nahm er es auch nicht sooo genau und sagte mir : I“m just guessing“ also : „Ich schätze/rate auch nur“ . Am Ende ging es dann aber immer mehr oder weniger auf.

Don nahm sich die Zeit während des Tages auch angemessene Pausen zu machen um Kaffe zu trinken oder Mittag zu machen. Die ganze Farm war also ein „family business“ und erinnerte mich ein wenig an daheim. Georgie, Marks Mutter half ab und zu auch mit und kümmerte sich um Hühner und Waisenkälber bzw. Lämmer. Für die Smokopause und Mittag machte sie immer Kaffe für alle. Zu Mittag bereitete sie außerdem immer superleckere Sandwiches zu, die falls ich zu Mittag nicht ins Haus konnte immer irgendwie den Weg zu mir aufs Feld fanden. Konnte sie es keinem anderen mit schicken, brachte sie es selber. Was für ein Service. Nach der Arbeit, die meistens gegen 17 oder 18 Uhr zu Ende war, wurde ich immer auf ein paar kühle Getränke(na gut, es war immer Bier) und einen Schnack ins Haus eingeladen. Manchmal blieb ich auch solange, dass ich zum „tea“ eingeladen wurde.

Wie die meisten von euch schon wissen ist breakfast= frühstück. Breakfast heißt übrigens so, weil man damit das FASTEN während der Nacht unterBRICHT.(break the fast), wie ich von der schlauen Rückseite einer Fruitloops Packung erfuhr.


Lunch ist Mittag. Nun wird es kompliziert. Abendessen ist „dinner“, manche Leute nennen es aber auch „tea“. Muss irgendwas mit englischen Traditionen zu tun haben und Don sagte mir, dass dinner früher lunch war. Es gab auch mal "supper", aber das sagt kaum noch jemand.

Wie dem auch sei, ihr seht, ich war sehr gut versorgt und musste nicht verhungern. Meine Haupttätigkeiten waren: Kühe sortieren, Dünger/Saat streuen, Schafe behandeln, Dünger/Saat eineggen, Zaunbau/Reparatur und andere kleine Sachen.

Nachdem ich einen Tag mit dem kleinen John Deere geeggt hatte:


War ich etwas staubig:

Gründliches Waschen war angesagt, auch hinter den Ohren, wo ich mir sonst immer wichtige Notizen mache!

Immer sehr angehm, kleine Schürf/Schnittwunden in Verbindung mit Düngerstaub:


Der Chamberlain Traktor(Von mir liebevoll Chamby genannt) mit dem Düngerstreuer:


Die Landschaft kurz nach dem Sonnenuntergang:


Mit dem Zinken und Spaten ein zwei Fuß(ca.60cm) tiefes Loch in den Boden zu graben ist "bloody hard yakka" Verdammt harte Arbeit!


Da ich nicht viel Zeit habe, werde ich die Tätigkeiten vielleicht später näher erläutern.

Zurück zu Neu Seeland. Wie am Anfang dieses Beitrags geschrieben hatte ich einen blöden Unfall, aufgrunddessen ich meinen Sichheitspfand von 2500 NZ $, den ich beim Motorradverleih hinterlegt hatte, los war. Das kam so. Nachdem sich also die Sonne für 5Min gezeigt hatte war sie dann auch wieder weg und ich führ weiter. Immerhin regnete es nicht, was ich schon ziemlich gut fand. Ich fuhr nach Paihia und erfuhr etwas über die Geschichte dieses jungen Landes.

Die Scheune auf dem Hof meiner Eltern hat übrigens eine Inschrift von 1789, ist also älter als das meiste von Australien und Neu Seeland. Sie lautet übrigens ungefähr so:

"Wer einst zu Ehren kommen will,
muss lernen vor und leiden viel!
Drum lerne vor und hab Geduld,
so ist dir Gottes Gnad und Segen huld!"

Zweifelsohne weise Worte!

ZUrück nach Paihia:




Ätschbätsch:


Nachmittags ging es dann weiter Richtung Norden und es fing wieder an zu schütten. Nass und kalt entschied ich mich dazu diese Nacht ein richtiges Dach über dem Kopf zu haben und ging in ein Hostel, wo ich erst ein Zimmer für mich allein hatte, weshalb ich mein Zelt aufbaute, um es trocknen zu lassen. Außerdem hing ich meine kalten Klamotten über all auf. Nach einiger Zeit kam dann aber noch ein sehr nettes Spanisch/argentinisches Pärchen, die aufgrund eigener Campingerfahrungen Verständnis für das Zelt im Zimmer hatten. Mit den Spaniern ging ich dann einkaufen und verbrachte den Rest des Abends mit ihnen. In der Nacht regnete es auch und ich war froh in einem Bett und nicht auf meiner Campingmatratze zu liegen. Morgens hatte es dann aber aufgehört und nachdem ich dann die kleine Yamaha wieder wie einen Packesel bepackt hatte fuhr ich weiter nach Norden und dort wurde ich dann von Sonne überwältigt. Der Himmel riss auf und die Sonne zeigte sich.

Ich besuchte noch das Kauri Museum. Kauri-Bäume sind riesige Nadelbäume, aus denen die Maoris ihre Kriegskanus fertigen und aus denen man tolle Sachen schnitzen kann:



Dann fuhr ich weiter.
Was hatte ich für einen Spaß, eine super Straße, viele Kurven und gutes Wetter. Das ging dann solange bis ich zu einer Kurve kam, die mir wohl für immer in Erinnerung bleiben wird. Es war eine Linkskurve, die unglücklicherweise noch einen feuchten Fleck auf der Straße hatte.

Ich lag also schon mit meinem Motorrad in der Kurve, als ich diesen Fleck erblickte, Schiss bekam und eine schlechte Entscheidung traf. Ich richtete das Motorrad auf um nicht auszurutschen, ging in die Bremsen um, so war meine Hoffnung, noch vor dem gegenüberliegenden Straßengraben zum stehen zu kommen. Das geschah nicht, dafür wurde die kinetische Energie des sich bewegenden Motorrades unter anderem dazu genutzt die Plastiklichtmaske und andere Verkleidungsteile zu brechen bzw. zu verkratzen. Ich landete neben dem Motorrad, hatte mir zum Glück nichts getan und gab das F-Wort wieder. Wahrscheinlich ziemlich laut und auch einige Male, ich weiß es nicht mehr so genau.



Ich versuchte das Motorrad aufzurichten, was mir aufgrund seines Gewichts und seiner blöden Lage halb im Dreck eingegraben nicht gelang. Ein netter Kanadier, der angehalten hatte (es war nicht Noah^^), half mir aber aus dem Schlamassel und ich konnte feststellen, dass sie wenigstens noch lief. Aber bei der Schadensbegutachtung und wem Wissen um Ersatzteilpreise wurde mir klar, dass ich soeben meinen Pfand in den Ofen bzw. Graben geschossen hatte. Manchmal denke ich, ich habe ein Talent dafür nicht gerade unbeträchtliche Geldmengen durch Unachtsamkeit oder einfach nur blöde Aktionen so weggeben zu müssen, wie es absolut nicht von mir geplant war. Dabei denke ich auch an das Malheur, was ich mit dem Falcon hatte. Aber wie hieß es gleich "... lernen vor und leiden viel!" Auch wenn meine Leiden selbstverschuldet sind.

Spuren des Kampfes:


Gefolgt von dem Kanadier fuhr ich dann weiter zum Cape Reinga, dem nördlichsten Punkt Neu Seelands. Passend zu meiner Stimmung wurde es schlagartig furchtbar neblig und am Cape Reinga konnte man kaum seine Hand vor Augen, geschweige denn den Leuchtturm erblicken, der da irgendwo im feuchten Weiß( ich muss übrigens gestehen, dass ich mir manchmal nicht sicher bin ob man die Farbe oder das Verb mit „ß“ schreibt) sein sollte. Der nette Kanadier versuchte vergeblich mich etwas aufzurichten und ich fuhr sehr geknickt wieder nach Süden.

Verständlicherweise war die verpasste Aussicht nicht der ausschlaggebende Punkt für meinen Gemütszustand. Mein Motorradurlaub hatte ein jähes Ende gefunden, dahcte ich zu dem Zeitpunkt. Als ich nach ca. 2h wieder in Regionen war, in denen ich Handyempfang hatte, rief ich Paul vom Motorradverleih an und erzählte ihm von dem Unfall. Er sagte ich solle mir nicht sooo viele Sorgen machen, in Auckland vorbeischauen und dann sähen wir weiter. Also fuhr ich über eine prima Bergstrecke mit obergeilem Straßenbelag und engen Kurven(die ich alle unbeschadet durchfuhr) weiter von Kaitaia nach Paihia. Auf dieser Fahrt besserte sich meine Laune dann wieder etwas, da das Fahren echt Spaß machte.



Grüne Wälder mit großen Farnbäumen säumten den Straßenrand:


Überschwemmungen waren die Folge des vielen Regens der vergangenen Tage:


Allgemein war es meist so, dass ich beim Motorrad fahren meinen Kopf frei von anderen Sachen hatte, was ich echt angenehm fand. Ähnlich ist es beim surfen, wenn ich auf den Brett liege/sitze/stehe.

Von Pahia fuhr ich dann mit der Fähre nach Russel, welches vor kanpp 200 Jahren mal die Hauptstadt Neu Seelands war und echt schnieke war. Ein kleines Städtchen am Meer mit kleinen Lädchen und schönen Restaurants, die direkt an der Strandpromenade lagen. Die Sonne schien und es war wunderschön.





Leider konnte ich den Moment nicht angemessen genießen, meine Gedanken wanderten leider wieder in Richtung Motorradschaden und deshalb war ich, als ich als ich mich auf dem Steg für ein Nickerchen hinlegte und danach an der Promenade entlangschlich auf dem Tiefpunkt meiner Laune. Ich fand meine Situation in die ich mich ja aus eigener Kraft geschafft hatte furchtbar und hoffnungslos und hätte fast geweint. Ich dachte ich würde das Motorrad in Auckland wieder abgeben, für das ich ja sowieso schon einen ziemlich hohen Mietbetrag bezahlt hatte und dann mit den restlichen Mitteln die Zeit in Neu Seeland irgendwie rumkriegen.

Da ich an diesem Tag genug Geld ausgegeben hatte, entschloss ich mich dazu kurz vor Whangarei neben dem Highway/ zu Campieren.

Kurz vorm schlafen gehen gab es dann noch einen kleinen Lichtblick für mich, mein Gemütszustand hatte sich sowieso ein klein wenig gebessert: Durch das Mückennetz des Zelts konnte ich den Sternenhimmel mit Südkreuz, Milchstraße und allen anderen Sonnen in seiner vollen Pracht sehen, was ich sehr genoss und war sehr zufrieden mit dem Anblick zu dem ich einschlafen konnte. Dazu sei gesagt, dass man in Neu Seeland und Australien in ländlichen Gegenden die Sterne sehr viel besser sehen kann, da es nicht so viel Lichtverschmutzung durch große Städte gibt. Außerdem ist die Anzahl der sichtbaren Sterne auf der Südhalbkugel allgemein höher.

So weit so gut, ich habe megahunger und muss noch Bilder einfügen und so…wenn ihr Glück habt schaffe ich es nochmal bevor ich nach D zurück komme ein paar Zeilen hier zu veröffentlichen.

Zum Abschluss noch ein alter Bekannter:

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