Montag, 25. Juli 2011
Another day in paradise!
Am letzten Donnerstag beendete ich das letzte Baumwollmodul und seitdem ist die Baumweollernte vorüber. Die Überschriften, von diesem und dem letzten Beitrag, sind Sprüche, mit denen wir die Arbeitstage während der Ernte gern begonnen oder beendeten.

„Another day in paradise!“ war übrigens auch schon auf der Milchfarm ein Renner. Ido, der Israeli und ich wurden nicht müde während der kurzen Zeit unserer Fahrgemeinschaft vom grünen Palast zum Melkstand es zu sagen und darüber zu lachen oder wenigstens zu grinsen. Sehr amüsant wurde es, wenn Phil Collins“ Stimme dann über die Lautsprecher während des Melkens sein Liedchen zum besten gab, was ich sogar mitsingen kann (teilweise): „ Ohh, think twice….it’s just another for you, you and me in paradise…“

Irgendwann in der Anfangszeit auf dem AEG haben wir dieses Lied ein paar Mal im Musikunterricht gesungen. Ein anderer Song war „Eternal flame“ von ähm…ja irgendwer wird es schon gesungen haben. Aber ich kann sogar noch ein bisschen von dem Text: „Am I only dreaaaaaming or is this burning an eternal flame?! – Say my name, sunshine through the rain, a whole life, so lonely tralalala, come and ease the pain!“ Schön war die Zeit… wo Herr Alsberschnieder im Raum 127 einen für Ihn nur kaum zu bemerkenden Gast in seinem rechten Nasenloch hatte: Einen dicken gelben Popel. Von allen anderen gut wahrgenommen verweilte er dort für einige Minuten. Armer Kerl, der Pädagoge!

Zurück zur Baumwolle. Nachdem ich ein bisschen dies und jenes gemacht hatte, ging es Ende Mai los. Anfangs wurde ich in die Kunst des Modulpressens eingeführt. Mein Tutor dabei war Dick, ein Verwandter von Bob, der nur für die Ernte auf der Farm war. Dick ist ein sehr netter Zeitgenosse, ich kenne zwar seinen Nachnamen nicht, aber sein zweiter Vorname müsste eigentlich „Fucking“ lauten, da das sog. F-Word sein Lieblingswort war.



"Just 'nother fockin' day in paradoise, dschoodsch!"

Ich weiss gar nicht, ob ich mich hier schon mal über die Australier und das Fluchen ausgelassen habe. Das tun sie nämlich sehr gerne. Das Wort „bloody“ ist schon so normal geworden, dass es kaum noch als Schimpfwort aufgefasst wird, wobei es auch eher seltener so gemeint ist. Das selbe ist manchmal mit dem F-Word zu beobachten. Deswegen hieß es auch manchmal: „ Fuckin‘ beautiful, dschoodsch!“ Meist wird „bloody“ oder „fucking“ also nur als Steigerung verwendet. In den seltensten Fällen ist es wirklich bös gemeint und meistens werden auch nur Dinge beschimpft, die nicht richtig funktionieren, oder kaputt sind. Ich habe Edward noch recht gut im Ohr: „ Oh, ya f*****g lil‘ c**t of a thing.“

Das zweite zensierte Wort in dem Satz ist „cunt“, welches ich nicht übersetzen werde, es aber häufig zu gebraucht wird, um es wegzulassen. Auf der Milchfarm hatte ich (zumindest bei manchen Personen) manchmal den Eindruck es wäre obligatorisch in jeden Satz ein Schimpfwort zu verwenden. Einige Mitarbeiter hatten auch die Angewohnheit die Kühe fies und lautstark zu beschimpfen, was ich immer sehr unschön fand.

Claus, der in der Werkstatt des Betriebs arbeitete, berichtete davon, dass der inflationäre Gebrauch der Schimpfwörter in dem Bereich besonders ausgeprägt war, worüber wir uns immer lustig machten.


Von Leuten aus Neu Seeland wird gesagt, dass sie in der Beziehung noch schlimmer wären als Australier. Kaum Vorstellbar, aber einige „Kiwis“ die ich hier kennen gelernt habe, bestätigten das. Nebenbei bemerkt habe ich im Supermarkt schon Kiwis(also die Frucht jetzt) aus Italien gesehen…Globalisierung macht’s möglich.

Wo war ich stehen geblieben, bei Dick und seinen Modulen. Also, wenn der bolly buggy also neben dem Modul builder anhält und seinen Korb kippt, damit dieser mithilfe von Kratzketten entleert werden kann, balanciert man auf dem kleinen Steg zu der Plattform, auf der man die zwei Ketten separat voneinander bedienen kann und somit die Baumwolle ein bisschen verteilt, damit das Modul schön gleichmäßig wächst!






Auf dem dünnen Steg balanciert man übrigens des öfteren Mal und vor allem der des grünen Modulbuilders ist sehr interessant schmal.(muss ich noch ein Bild von machen!) Anfangs war ich noch ziemlich vorsichtig, da wenn der Builder noch leer ist, die verlockende Aussicht besteht zu beiden Seiten aus 3- 3,5 Metern auf den harten Boden zu fallen. Nachdem mein Gleichgewichtssinn sich der Herausforderung gestellt hatte und etwas feinfühliger geworden ist, turnte ich aber galant wie ein Seiltänzer über die Modulpressen!

Wo wir schon bei Gefahren sind: Bob erzählte mir folgende Geschichte, die auf einer wahren Begebenheit beruht und ich bewerte Bobs Glaubwürdigkeit mit einem AAA+++. Also : Baumwollernte, Panne unterbricht Arbeit, Frau macht Nickerchen in Modulpresse, Buggy wird entleert(Ketten auch von Traktor aus steuerbar), Baumwolle über Frau, Baumwolle wird gepresst, Frau auch, Modul fertig, Modulpresse wird abgezogen, Frau entdeckt, tot.

Ich erledigte meine Nickerchen (wenn sich denn mal die Gelegenheit bot) also nur im Ute oder auf dem Trecker.

Außerdem schien mein Unterbewusstsein von der Idee: „Lass dich mal wieder richtig drücken!“ auch nicht so begeistert zu sein und bescherte mir einen fiesen Albtraum: Ich fand mich angsterfüllt in einem leeren Module Builder wieder. Um mich bemerkbar zu machen klopfte ich wie wild gegen die Wände. In diesem Moment wachte ich wohl auf. Da es in meinem Schlafzimmer sehr dunkel ist, war ich wohl noch halb in meinem Traum und schlug auf die Wand, an der mein Bett stand, ein…nach ein paar Sekunden nahm ich dann war, dass alles in Ordnung war und dachte mir : „Mein Gott, Walter! Du solltest dir vielleicht was anderes suchen…“


Auf der Milchfarm hatte ich auch schon vom Kühe melken geträumt und die langen Kuhreihen im Melkstand waren ein fester Bestandteil meiner Gedankenwelt vor dem Einschlafen in dem Zustand, in dem man nicht mehr ganz auf der Höhe ist, aber auch noch nicht schläft.



Kranker Scheiß, echt! Mal noch was anderes, bevor ich zurück zur Baumwolle komme: Apferkerne; ich habe durch meinen Entdeckerdrang herausgefunden, dass das weiche Innere dieser nach Marzipan schmeckt. Da ich zu geizig für echtes Marzipan bin, gönne ich mir so einen kleinen Luxus!



Nachdem also die Baumwolle in der Presse ist, geht es sehr spektakulär weiter. Man setzt sich auf diesen Sitz der in der Gemütlichkeitsskala ungefähr mit Kirchenbänken gleichzieht und bedient die zwei Hebel, die den Monkey steuern.



Das ist ungefähr so spannend wie Dauerwerbung im Fernsehen oder Cricket. Der Monkey wird mit Hydraulik bewegt. Hydraulik meint in der Landmaschinentechnik das Übertragen von Kräften mittels Öl, das mit einer Pumpe unter Druck gebracht wird und dann über Schläuche und Leitungen zu Abnehmern wie Motoren oder Zylindern gelangt.


Entweder hat die Presse selber einen Dieselmotor, die eine Hydraulikpumpe antreibt




oder es wird ein Trecker mit laufender Zapfwelle vor dem Builder benötigt.




Den Monkey kann man vor und zurück und den Stempel auf und ab bewegen. Man zieht den Monkey über die Baumwolle und drückt den Stempel runter, bis er nicht mehr weiter kommt. Dann wird der Stempel wieder hochgezogen, der Monkey ein Stück weiterbewegt und das Spiel beginnt von neuem. Diesen Bewegungsablauf habe ich gefühlte 5 Milliarden mal ausgeführt und den sich unter der Last ändernden Klang des Dieselmotors noch sehr gut im Ohr…hat meine seine Baumwolle komprimiert, ist man Bereit für die nächste Ladung. Eigentlich ist es anders herum: Wenn die nächste Ladung da ist, sollte man fertig mit Pressen sein. Nach drei oder vier Baumwollladungen ist der Builder ca. halb voll mit komprimierter Baumwolle und man muss 5 Seile quer über die Baumwolle legen. Wenn das Modul nämlich fertig ist und die Presse mit einem Trecker abgezogen ist, wird an den Seilen die Plane fest gemacht. Ich habe so einige Tage auf dem Module Builder verbracht, es war aber zum Glück nicht meine einzige Aufgabe…









Bis demnächst, die Chicken Wings rufen!

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