Sonntag, 24. April 2011
Wenn die Nacht zum Tag wird...
Nachdem Greg von einem Rind beim melken an den Kopf getreten wurde, fiel er verständlicherweise für ein paar Tage aus und es musste jemand für ihn einspringen. Greg arbeitet in der Mitternacht bis 8 Uhr Schicht. Dieser jemand war ich.

Eigentlich denkt man, dass diese Schicht doch wohl sehr unbeliebt sein muss, da die Arbeitszeit abschreckt. Es gibt aber auch einige positive Aspekte. Es wird auch hier nachts kühler als Tagsüber, weshalb die Temperatur gesteuerten, lauten Ventilatoren, meist nicht an sind. Da sich die laute Melktechnik in einem Gang unterhalb der Melkgrube befindet(im Keller sozusagen),
tritt eine himmlische Ruhe ein, in der es sehr angenhem zu arbeiten ist. Dazu kommt, dass es für diese Schicht ein festes Team unter der Leitung von Julie gibt, die nichts davon hält quer durch den Melkstand zu brüllen um eine Kuh zum gehen aufzufordern, da man so die anderen Kühe auch kirre macht. In diesem Team sind die Aufgaben klar abgesteckt, jeder weiss, was er wann zu tun hat und was nicht. Eine ruhige, effektive Angelegenheit, was auch den Kühen gefällt.

Wenn die gesunden Kühe gemolken sind, kommen die Kühe in den Stall, die unter Mastitis leiden, hier "Mazzies" genannt. Dessen Zahl variiert sehr stark, im Sommer sind es teilweise knapp 100, während sich im Winter manchmal nur 20 Kühe in dieser Gruppe befinden. ( Masitits wird durch Bakterien und Keime hervorgerufen, ihr erinnert euch!? ;) )

Gemolken werden diese Kühe zwar in jeder Schicht, aber in der Morgenschicht, werden diese zusätzlich mit Antibiotika behandelt, welches in die Zitze(n) gespritzt wird. Julie entscheidet, welche Kuh in die Mazziegruppe kommt, und welche wieder in Ihre ursprüngliche Herde zurück kommt, wenn sie genesen ist. Wenn die Antibiotika gewirkt haben, werden sie abgesetzt und nach ein paar Tagen Wartezeit darf die Milch der Kuh wieder an die Molkerei geliefert werden.

So weit zum Ablauf. Nun zu meinen persönlichen Erfahrungen. Nachdem ich noch etwas gegessen hatte, machte ich mich gegen 23.40 auf den Weg zur Dairy(Dairy ist ein sehr universelles Wort und lässt sich wohl am besten mit "Milcherzeugung/ -verarbeitung" übersetzen. dairy products-Milchprodukte ; dairy farm- Milchviehbetrieb; dairy cattle- Milchvieh) Dairy ist in diesem Fall aber der Melkstand samt Zubehör.

Dort gings dann los mit Arbeiten. Am Anfang war alles Prima und ich hatte keine Probleme. Gegen halb vier kam dann aber langsam die Müdigkeit und gegen fünf hatte ich das Gefühl, im stehen schlafen zu können, und wenn ich nicht ständig beschäftigt gewesen wäre, wäre das wohl auch passiert. Ich musste viel an den faulen Eisbären denken.

http://www.myvideo.de/watch/1104397/Ein_fauler_Eisbaer

Ab sechs/halb sieben wurde es dann wieder besser. Ab sieben fühlte ich mich dann wieder relativ gut. Als ich dann um halb neun wieder im grünen Palast war,



fühlte ich mich zwar nicht direkt müde, konnte aber trotzdem sehr gut einschlafen. Nach einem wohl eher schlechtem Schlaf wachte ich nach ca. sechs Stunden auf und konnte nicht wieder einschlafen. Auch nach dem Aufstehen fühlte ich mich noch ziemlich müde, konnte aber paradoxerweise auch nicht mehr einschlafen. Das besserte sich nach einigen Tagen leicht. Mein System schien sich umzustellen. Gut, dass ich dann wieder in eine andere Schicht kam.

Am zweiten Tag in der Morgenschicht probierte ich mir mit Koffein zu helfen, was auch super funktionierte. Vor der Arbeit trank ich eine sehr starke Tasse Kaffe, was dazu führte, dass ich höchstgradig aktiv wurde. Ich arbeitete schnell, sehr konzentriert und fühlte mich fast euphorisch gut dabei.

http://www.youtube.com/watch?v=a3O2kuEXf8Y&feature=related

Eine Prima Sache, in der Pause trank ich dann noch meine Dose Cola. So vollgepumpt mit Koffein überstand ich dann die Phase, in der eigentlich mein Leistungsloch kommt.

Es war vor zwei Wochen ungefähr um 21 Uhr, ich saß gemütlich auf dem Sofa, nachdem ich in der 8-4 Schicht gearbeitet hatte. Gary rief an, und fragte, ob ich bereit für eine Extraschicht wäre(keine Extradosen), da er jemanden für die 0-8 Uhr Schicht brauchte. Ich gab ihm eine Zusage, da eine zusätzliche Schicht auch immer mehr Geld bedeutet. Ich bin ja nicht zu Spass hier! Weil ich am nächsten Tag auch erst wieder um 16 Uhr arbeiten musste, passte das exorbitant gut in meinen Zeitplan. Dementsprechend hatte ich für 2 Tage folgenden Rhytmus. 8h Arbeiten, 8h Pause, 8h arbeiten, 8h Pause, 8h arbeiten. Danach war ich dann wieder im normalen Rhytmus und hatte 16h Pause. Etwas merkwürdig war es schon, da es überhaupt nicht in den körperlichen Ablauf passt, ich glaube da würde ich lieber 12h Schichten vorziehen. Wozu ich sagen muss, dass 8h im Melkstand auch wirklich 8h Arbeit sind, bzw, 7h45 Min, da man eine großzügige Pause von 15 Min gewährt bekommt. Ansonsten ist man wirklich die ganze Zeit am machen und tun und kann sich nicht mal eben ne Auszeit für 5 Minuten gönnen.

Zum Abschluss für heut noch ein paar Bilder.

The Green Palace


Mein ähmmm... Loch...


Paul und der Wikinger Jens beim Frühstück.


Claus und ich beim abend essen.


Der Keller unter dem Melkstand mit der Melktechnik. Schön sauber!


Der Melkstand.



Waschmaschine und Trockner für die Handtücher und meine Arbeitsklamotten ;) .



Muh.




Da das Internet wieder normale Hochgeschwindigkeit erreicht hat, demnächst mehr Bilder.

Bis dahin bleibt mir nur zu sagen:
Steckste nicht drin!

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