Sonntag, 7. Dezember 2014
Guadeloupe. Die Zweite


Nachdem sich ein gewisser Felix H. aus H. ohne F. darüber beschwert hat, dass es mit meinem Blog so gut voran geht wie mit dem Berliner Flughafen und auch mein großer Bruder, der sonst nicht so die Leseratte ist, gefragt hat, was mit meinem Blog ist, werde ich mal wieder ein paar Zeilen zu digitalem Papier bringen.
Ich bin froh, dass ich eine „normale“ deutsche Tastatur zum schreiben habe, denn die französischen Tastauren sind sehr eigen. Neben den gewohnten Änderungen wie fehlende Umlaute sind auch zu allem Unglück das die französische Sprache mit sich bringt(manche Leute bekommen sogar Muskelkater im Gesicht davon) noch viele Buchstaben vertauscht. Anstatt euch zu erklären, was alles anders ist, rate ich euch einfach „frz tastatur“ bei Google einzugeben und euch selber von den Eigenheiten ein Bild zu machen. Auf jeden Fall muss man um Zahlen zu schreiben die „shift“ Taste drücken…wie hohl ist das denn?! MON DIEU! Wo ich gerade dabei bin ich mich zu beschweren: Die Mücken nerven hier und es ist manchmal (oft)sehr warm, wenn man keinen Ventilator hat oder um die Mittagsstunden Sport macht.

Die Mücken stehen auf Füße, weil die Haut dort wohl dünner ist...ich trage aus diesem Grunde öfter Socken als nötig:


Gegen die Mücken habe ich aber seit einer guten Woche ein Geschenk des Himmels erworben: Eine elektrische Mückenklatsche! Der Gerät sieht aus wie ein kleiner, schlecht verarbeiteter Tennisschläger. Anstelle eines gespannten Netzes befinden sich aber drei hintereinander angeordnete sich nicht berührende Metallgitter zwischen dem Rahmen. Um den Kontakt zu verhindern gibt es Distanzhalter in Kreisform, die zusammen eine stilisierte Blumenblüte darstellen. Das ist prima, denn selbst wenn der Gerät nur rumliegt erfüllt er einen dekorativen Zweck! Außerdem wird der Gerät nie müde und schwitzt nicht(zum Schwitzen später mehr)!

Kleiner Scherz am Rande, wenn jetzt durch unterschiedlichste Dinge, die den elektrischen Strom leiten, der Kontakt zwischen dem innerem Gitter und einem der außenliegenden Gitter hergestellt wird, z.B. durch ein Bratwürstchen oder eine Mücke, dann BAMMM (Jonge) gibt es einen kurzen Lichtbogen und es ist vorbei mit der Übeltäterei. Hat sich die Mücke in den Gittern verfangen, folgen noch einige kleine Blitzchen wenn man den Aktivationsknopf gedrückt hält und die dreckige kleine Arthropode wird in alle Einzelteile zerlegt und es fängt an nach verbranntem organischen Material zu riechen. Wer schon mal nachts, mit den Händen klatschend durchs Zimmer gelaufen ist um einen dieser kleinen Plagegeister zu erledigen, weiß eine solche Hilfe enorm zu schätzen. Ich bin so begeistert, ich wäre sogar bereit in einer Dauerwerbesendung dafür zu werben.

„ Und weisst du noch früher Jimmy, als du die Mücken um deinen Kopf schwirren hörtest und du verzweifelt versucht hast ins Dunkle hinein eine zu erwischen, das war schrecklich, nicht wahr?! Aber damit ist jetzt Schluss, denn der „MozzieBuzzer 3000 Super“ hat auch eine eingebaute LED Birne die du einfach anmachen kannst und du kannst sofort loslegen Mücken zu braten ohne erst zum Lichtschalter hasten zu müssen!“ „Wow, das ist ja wirklich unglaublich George und wenn Sie innerhalb der nächsten Stunde anrufen und bestellen bekommen sie ein garantiert unnützliches Kleinteil Ihrer Wahl kostenlos dazu. Also, warten Sie nicht zu lang, die Mücken tun es auch nicht!“ „ HAHAHA, Jimmy, du alter Scherzkeks, aber wo er Recht hat, hat er Recht, also runter vom Sofa und und ab ans Telefon!“

Ich hätte sogar schon einen Werbeslogan für den Australischen Markt, den ich mal in Cairns(Nordostaustralien) an einer Werbetafel gelesen habe: „ For Aussies who hate Mozzies! The Mozziebuzzer 3000 Super“

Wie auch immer…achja…schwitzen…tut man hier in den Tropen ziemlich viel…besonders wenn man in einem Haus lebt, wo nicht so viel Durchzug ist, wie ich. Aber seitdem ich meinen Ventilator gekauft habe, geht es mittlerweile. Man muss sich auch am besten damit abfinden öfters einfach durchgeschwitzt zu sein. Besonders am Rücken… ich kann mich nicht erinnern jemals so viel am Rücken geschwitzt zu haben wie hier, das blöde ist, dass der Rückenschweißfleck die Eigenheit hat nach einiger Zeit anzufangen muffig zu riechen, also irgendwie anders als sonst. Aber ich bin ja auch kein Schwitzologe, sollen die sich damit beschäftigen.

Nachdem ich nun einige Tatsachen angeführt habe, die gegen den Besuch dieser Insel sprechen, so möchte ich nun einige Argumente nennen die gegenteiliger Natur sind.

Es ist warm. Ja, ich weiß, das hatte ich schon, es ist aber auch ambivalent, wobei die Vorteile definativ schwerer wiegen, denn: Man muss keine Gedanken machen ob man noch einen Pulli oder ne Jacke mit nimmt, weil es ja vielleicht frisch werden könnte. Es wird nicht frisch auf Guadeloupe. So war es zumindest als ich hier angekommen bin. Mittlerweile wird es nachts um vier ein bisschen kühler weshalb man dann ein Bettlaken zum zudecken braucht. Und auf dem knapp 1500meter hohen Vulkan, wo eine frische Brise herrscht und der meist von den Wolken eingepackt wird war es auch kühl. Aber ansonsten könnte man eigentlich die ganze Zeit nackt rum laufen. Das wäre aber besonders für meine Haut eine schlechte Idee, weshalb man mich selten oberkörperfrei sieht. Auch beim surfen trage ich (fast) immer brav mein Surfshirt. Surfen mach Spaß Punkt Auch wenn’s manchmal nicht so läuft ist es einfach nur knorke im Wasser rumzuplanschen und mit den Wellen zu spielen. Die Wassertemperatur beträgt hier übrigens so 28°C , also so wie im Sportbecken im Hallenbad oder ein bisschen wärmer. Naja, ich lasse einfach mal ein baar Bilder sprechen...

Ich beim rauspaddeln...




Unser kleines Auto:




Wir hatten uns im Dschungel verlaufen und ich habe die Gegend erkundet:


Auf so nem Felsen halt^^:


Ich würde eigentlich gern noch ein par Bilder zusätzlich hochladen, aber im Moment ist unser Internet mal wieder so flüssig wie der Verkehr um 7 Uhr morgens in Pointe a Pitre, weshlab ich es dabei belasse und es spter noch einmal versuchen werde.

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Freitag, 12. September 2014
Gulalup
Ich habe mich entschlossen, meinen Blog zu reaktivieren, da es sich in Australien als praktisch erwiesen hat, nicht jedem einzeln erzählen zu müssen was ich hier so mache und was hier in meiner Nachbarschaft so läuft…gerade werde ich von mies lautem französischem Hip-Hop beschallt, was daran liegt, dass ich seit Freitag (05.09) in einer Wohngegend wohne, wo abends am Wochenende fesche Autos mit dicken Soundanlagen und offenen Kofferräumen rumstehen und die Leute drum herum einfach nur cool sind und vielleicht ein paar Genussmittel konsumieren.

Nun gut, dann fange ich mal an, von meiner Reise zu erzählen. Friedeltarian brachte mich netterweise nach Hangover zum Flughafen und von dort gings dann los. Leider saß ich auf der rechten Seite des Fliegers, weshalb ich keinen Blick auf das gerade aufwachende Weserbergland erhaschen konnte, sondern mich mit nördlicheren Ländereien begnügen musste. Nichtsdestotrotz, war es wirklich sehr schön zu sehen wie Flüsse, Wiesen, Wälder und das Steinhuder Meer märchenhaft mit Nebelschwaden bedeckt waren und die Sonne gerade aufging. Meine Reise ging sehr gut los. Es gab Croissant zum Frühstück und nach 90 Minuten setzten wir auch schon in Paris auf. Dort musste ich zum ersten Mal meine Französischkünste unter Beweis stellen, was mir mit Abstrichen auch ganz gut gelang. Der Transfer zum anderen Flughafen klappte sehr gut und fix, ich weiß nicht, was Herr Stoiber da zu bemängeln hat. Leider ging der nächste Flug erst mit einer Stunde Verspätung, da irgendwas am Aeroplan kaputt war und sie den Flieger tauschen mussten. Im Flugzeug holte ich erst mal Schlaf nach, was ich dank Reisekissen und freiem Platz neben mir ganz gut schaffte.

Dann schaute ich einen Film auf Französisch wobei ich von den Dialogen nicht allzu viel verstand, ich aber die grobe Handlung verstand. Die Mahlzeit die es gab, war für Flugzeugnahrung sehr gut; Lob an Air France! Auf Guadeloupe angekommen merkte ich schnell, dass die lange Hose für den Flug gut war, aber für diese Insel nur bedingt geeignet ist. Ich habe seit dem ersten Tag auch keine lange Hose oder Pullover mehr getragen.

Da die Taxifahrer in Pointe-à-Pître durchsetzen konnten, dass keine öffentlichen Busse vom Flughafen in die Stadt fahren (diese gerissenen Mistkerle) war ich gezwungen für 20€ ein Taxi zu nehmen. Ich entschied mich für einen alten braunen 230er Mercedes, dessen Fahrer mich sicher in die Stadt brachte. Da ich ein Hostelbett außerhalb der Stadt gebucht hatte nahm ich den Bus in die grobe Richtung, was ziemlich interessant war.
Es gibt hier keine Fahrpläne, die Busse stehen an der Endhaltestelle rum und der Fahrer fährt nach seinem eigenen Gutdünken los. Bis ich da hinter gekommen war vergangen einige Minuten. Nachdem ich dem Fahrer erzählt hatte, wo ich hinwollte fuhren wir auch bald los und ich konnte mir die noch unbekannte Welt angucken. Nach einiger Zeit entscheid den Fahrer mal zu fragen, ob er weiss, wo das Hostel ist, was leider nicht der Fall war. Glücklicherweise hatte ich von meiner Buchung eine kleine Karte auf der grob die Lage des Hostels zu erkennen war, die ich ihm präsentierte.

Er gab mir daraufhin zu verstehen, dass ich da einen anderen Bus nehmen müsse. Er ließ mich an der Hauptstraße raus und sagte ich solle dem anderen Fahrer die Karte zeigen, der würde mich dorthin bringen. Gesagt getan, nach 5Min kam der andere Bus und ich tat wie mir geheißen, leider kannte er weder das Hostel, noch konnte er den Ort erkennen, wo es sein sollte. Hnnnnschaise...dachte ich. Aber so leicht gab er nicht auf : Er fragte nach hinten in den Bus, ob jemand das Hostel kenne. Mirnichtsdirnichts war eine rege Diskussion unter den Einheimischen(deren Großteil aus Schwarzen besteht) im Gange, von der ich leider nicht allzu viel verstand. Ich war jedoch begeistert von so viel Herzlichkeit und Hilfsbereitschaft. Der Busfahrer fuhr erstmal weiter und entschied sich dafür mit seinem Handy eine Nummer anzurufen, die auf der Buchungsbestätigung zu finden war. Leider sprach der Rezeptionist kein Französisch und der Chauffeur reichte das Handy an mich weiter. Und ich bekam mit englischem Akkzent eine guadeloupanische Adresse, die ich dann auch dem Busfahrer mit teilte, der sie nicht kannte und wieder die Allgemeinheit fragte. Es passierte das gleiche wie beim letzten Mal, als er das tat… er setzte sein Gefährt mit offener Türe wieder in Bewegung und ich rief nochein mal beim Hostel an. Diesmal bekam ich noch einen Hinweis : Pharmacie. Bei dem Wort gingen die Lichter der Erleuchtung im Gesicht des Busfahrers an; nur leider war er schon zu weit gefahren.

Also stieg ich wieder aus und entscheid mich den Weg zurück auf Schusters Rappen zurückzulegen. Bald hielt auch schon ein kleiner weißer Toyota neben mir und wurde gefragt: auberge jeunesse? Ouiouioui, sagte ich und kam letztendlich doch noch da an, wo ich hinwollte. Der Tag war zwar noch nicht zu Ende, aber das soll für heute genügen…

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Dienstag, 8. Mai 2012
Wer einst zu Ehren kommen will...
Schweren Herzens habe ich für eine große Geldsumme vor zwei Stunden einen Rückflug nach Deutschland gebucht. Ich werde Australien mit einem lachenden und einem weinenden Auge verlassen. Ich freue mich auf Deutschland und den Sommer, aber ich werde Australien und das Leben das ich hier führe sehr vermissen.

Da meine Urlaubskasse aufgrund eines Ereignisses, auf das ich später noch zurück kommen werde etwas leichter geworden war, arbeitete ich den April auf einer Viehzuchtfarm in West Australien. Mark, mit dem ich zusammen auf Tyunga gearbeitet hatte gab mir die Telefonnummer seiner Mutter, die ich mal anrufen sollte, falls ich in der Gegend wäre. Gesagt, getan und glücklich wie ich manchmal bin hatte ihr Mann, der die besagte Farm besitzt auch etwas für mich zu tun, was mir sehr gelegen kam. Am 30. April fing ich also dort an. Er bewirtschaftet 1200 Acres ( ein bisschen weniger als 500ha) auf denen er 2-3000 Schafe und momentan 200 Kühe für Fleisch und Wollproduktion züchtet.

Sein Name ist übrigens Don und er ist sein sehr netter Typ, der vom genauen planen nicht so viel hält und sowieso eine recht lockere Einstellung zu vielen Dingen hegt. Auch wenn das ganze manchmal etwas unorganisiert wirkte, so ist die Farm doch in einem generell gutem Zustand und er weiss immer, was er tut. Die Maschinen sind zwar teilweise etwas alt und wirken als ob sie jederzeit zusammen fallen könnten, aber in der Zeit, in der ich dort war, gab es kein größeres „Drama“.

Die anfallende Arbeit wird größtenteils von Don selber erledigt, der deswegen auch mal länger arbeitet. Frühes aufstehen findet er auch nicht so toll, glaube ich , wir fingen morgens meistens gegen 8 Uhr an und manchmal gestand er mir, wenn ich zur Arbeit erschien: „I just fell out o‘ bed“ . Bei vielen Arbeiten, bei denen es um Mengen oder Flächen ging nahm er es auch nicht sooo genau und sagte mir : I“m just guessing“ also : „Ich schätze/rate auch nur“ . Am Ende ging es dann aber immer mehr oder weniger auf.

Don nahm sich die Zeit während des Tages auch angemessene Pausen zu machen um Kaffe zu trinken oder Mittag zu machen. Die ganze Farm war also ein „family business“ und erinnerte mich ein wenig an daheim. Georgie, Marks Mutter half ab und zu auch mit und kümmerte sich um Hühner und Waisenkälber bzw. Lämmer. Für die Smokopause und Mittag machte sie immer Kaffe für alle. Zu Mittag bereitete sie außerdem immer superleckere Sandwiches zu, die falls ich zu Mittag nicht ins Haus konnte immer irgendwie den Weg zu mir aufs Feld fanden. Konnte sie es keinem anderen mit schicken, brachte sie es selber. Was für ein Service. Nach der Arbeit, die meistens gegen 17 oder 18 Uhr zu Ende war, wurde ich immer auf ein paar kühle Getränke(na gut, es war immer Bier) und einen Schnack ins Haus eingeladen. Manchmal blieb ich auch solange, dass ich zum „tea“ eingeladen wurde.

Wie die meisten von euch schon wissen ist breakfast= frühstück. Breakfast heißt übrigens so, weil man damit das FASTEN während der Nacht unterBRICHT.(break the fast), wie ich von der schlauen Rückseite einer Fruitloops Packung erfuhr.


Lunch ist Mittag. Nun wird es kompliziert. Abendessen ist „dinner“, manche Leute nennen es aber auch „tea“. Muss irgendwas mit englischen Traditionen zu tun haben und Don sagte mir, dass dinner früher lunch war. Es gab auch mal "supper", aber das sagt kaum noch jemand.

Wie dem auch sei, ihr seht, ich war sehr gut versorgt und musste nicht verhungern. Meine Haupttätigkeiten waren: Kühe sortieren, Dünger/Saat streuen, Schafe behandeln, Dünger/Saat eineggen, Zaunbau/Reparatur und andere kleine Sachen.

Nachdem ich einen Tag mit dem kleinen John Deere geeggt hatte:


War ich etwas staubig:

Gründliches Waschen war angesagt, auch hinter den Ohren, wo ich mir sonst immer wichtige Notizen mache!

Immer sehr angehm, kleine Schürf/Schnittwunden in Verbindung mit Düngerstaub:


Der Chamberlain Traktor(Von mir liebevoll Chamby genannt) mit dem Düngerstreuer:


Die Landschaft kurz nach dem Sonnenuntergang:


Mit dem Zinken und Spaten ein zwei Fuß(ca.60cm) tiefes Loch in den Boden zu graben ist "bloody hard yakka" Verdammt harte Arbeit!


Da ich nicht viel Zeit habe, werde ich die Tätigkeiten vielleicht später näher erläutern.

Zurück zu Neu Seeland. Wie am Anfang dieses Beitrags geschrieben hatte ich einen blöden Unfall, aufgrunddessen ich meinen Sichheitspfand von 2500 NZ $, den ich beim Motorradverleih hinterlegt hatte, los war. Das kam so. Nachdem sich also die Sonne für 5Min gezeigt hatte war sie dann auch wieder weg und ich führ weiter. Immerhin regnete es nicht, was ich schon ziemlich gut fand. Ich fuhr nach Paihia und erfuhr etwas über die Geschichte dieses jungen Landes.

Die Scheune auf dem Hof meiner Eltern hat übrigens eine Inschrift von 1789, ist also älter als das meiste von Australien und Neu Seeland. Sie lautet übrigens ungefähr so:

"Wer einst zu Ehren kommen will,
muss lernen vor und leiden viel!
Drum lerne vor und hab Geduld,
so ist dir Gottes Gnad und Segen huld!"

Zweifelsohne weise Worte!

ZUrück nach Paihia:




Ätschbätsch:


Nachmittags ging es dann weiter Richtung Norden und es fing wieder an zu schütten. Nass und kalt entschied ich mich dazu diese Nacht ein richtiges Dach über dem Kopf zu haben und ging in ein Hostel, wo ich erst ein Zimmer für mich allein hatte, weshalb ich mein Zelt aufbaute, um es trocknen zu lassen. Außerdem hing ich meine kalten Klamotten über all auf. Nach einiger Zeit kam dann aber noch ein sehr nettes Spanisch/argentinisches Pärchen, die aufgrund eigener Campingerfahrungen Verständnis für das Zelt im Zimmer hatten. Mit den Spaniern ging ich dann einkaufen und verbrachte den Rest des Abends mit ihnen. In der Nacht regnete es auch und ich war froh in einem Bett und nicht auf meiner Campingmatratze zu liegen. Morgens hatte es dann aber aufgehört und nachdem ich dann die kleine Yamaha wieder wie einen Packesel bepackt hatte fuhr ich weiter nach Norden und dort wurde ich dann von Sonne überwältigt. Der Himmel riss auf und die Sonne zeigte sich.

Ich besuchte noch das Kauri Museum. Kauri-Bäume sind riesige Nadelbäume, aus denen die Maoris ihre Kriegskanus fertigen und aus denen man tolle Sachen schnitzen kann:



Dann fuhr ich weiter.
Was hatte ich für einen Spaß, eine super Straße, viele Kurven und gutes Wetter. Das ging dann solange bis ich zu einer Kurve kam, die mir wohl für immer in Erinnerung bleiben wird. Es war eine Linkskurve, die unglücklicherweise noch einen feuchten Fleck auf der Straße hatte.

Ich lag also schon mit meinem Motorrad in der Kurve, als ich diesen Fleck erblickte, Schiss bekam und eine schlechte Entscheidung traf. Ich richtete das Motorrad auf um nicht auszurutschen, ging in die Bremsen um, so war meine Hoffnung, noch vor dem gegenüberliegenden Straßengraben zum stehen zu kommen. Das geschah nicht, dafür wurde die kinetische Energie des sich bewegenden Motorrades unter anderem dazu genutzt die Plastiklichtmaske und andere Verkleidungsteile zu brechen bzw. zu verkratzen. Ich landete neben dem Motorrad, hatte mir zum Glück nichts getan und gab das F-Wort wieder. Wahrscheinlich ziemlich laut und auch einige Male, ich weiß es nicht mehr so genau.



Ich versuchte das Motorrad aufzurichten, was mir aufgrund seines Gewichts und seiner blöden Lage halb im Dreck eingegraben nicht gelang. Ein netter Kanadier, der angehalten hatte (es war nicht Noah^^), half mir aber aus dem Schlamassel und ich konnte feststellen, dass sie wenigstens noch lief. Aber bei der Schadensbegutachtung und wem Wissen um Ersatzteilpreise wurde mir klar, dass ich soeben meinen Pfand in den Ofen bzw. Graben geschossen hatte. Manchmal denke ich, ich habe ein Talent dafür nicht gerade unbeträchtliche Geldmengen durch Unachtsamkeit oder einfach nur blöde Aktionen so weggeben zu müssen, wie es absolut nicht von mir geplant war. Dabei denke ich auch an das Malheur, was ich mit dem Falcon hatte. Aber wie hieß es gleich "... lernen vor und leiden viel!" Auch wenn meine Leiden selbstverschuldet sind.

Spuren des Kampfes:


Gefolgt von dem Kanadier fuhr ich dann weiter zum Cape Reinga, dem nördlichsten Punkt Neu Seelands. Passend zu meiner Stimmung wurde es schlagartig furchtbar neblig und am Cape Reinga konnte man kaum seine Hand vor Augen, geschweige denn den Leuchtturm erblicken, der da irgendwo im feuchten Weiß( ich muss übrigens gestehen, dass ich mir manchmal nicht sicher bin ob man die Farbe oder das Verb mit „ß“ schreibt) sein sollte. Der nette Kanadier versuchte vergeblich mich etwas aufzurichten und ich fuhr sehr geknickt wieder nach Süden.

Verständlicherweise war die verpasste Aussicht nicht der ausschlaggebende Punkt für meinen Gemütszustand. Mein Motorradurlaub hatte ein jähes Ende gefunden, dahcte ich zu dem Zeitpunkt. Als ich nach ca. 2h wieder in Regionen war, in denen ich Handyempfang hatte, rief ich Paul vom Motorradverleih an und erzählte ihm von dem Unfall. Er sagte ich solle mir nicht sooo viele Sorgen machen, in Auckland vorbeischauen und dann sähen wir weiter. Also fuhr ich über eine prima Bergstrecke mit obergeilem Straßenbelag und engen Kurven(die ich alle unbeschadet durchfuhr) weiter von Kaitaia nach Paihia. Auf dieser Fahrt besserte sich meine Laune dann wieder etwas, da das Fahren echt Spaß machte.



Grüne Wälder mit großen Farnbäumen säumten den Straßenrand:


Überschwemmungen waren die Folge des vielen Regens der vergangenen Tage:


Allgemein war es meist so, dass ich beim Motorrad fahren meinen Kopf frei von anderen Sachen hatte, was ich echt angenehm fand. Ähnlich ist es beim surfen, wenn ich auf den Brett liege/sitze/stehe.

Von Pahia fuhr ich dann mit der Fähre nach Russel, welches vor kanpp 200 Jahren mal die Hauptstadt Neu Seelands war und echt schnieke war. Ein kleines Städtchen am Meer mit kleinen Lädchen und schönen Restaurants, die direkt an der Strandpromenade lagen. Die Sonne schien und es war wunderschön.





Leider konnte ich den Moment nicht angemessen genießen, meine Gedanken wanderten leider wieder in Richtung Motorradschaden und deshalb war ich, als ich als ich mich auf dem Steg für ein Nickerchen hinlegte und danach an der Promenade entlangschlich auf dem Tiefpunkt meiner Laune. Ich fand meine Situation in die ich mich ja aus eigener Kraft geschafft hatte furchtbar und hoffnungslos und hätte fast geweint. Ich dachte ich würde das Motorrad in Auckland wieder abgeben, für das ich ja sowieso schon einen ziemlich hohen Mietbetrag bezahlt hatte und dann mit den restlichen Mitteln die Zeit in Neu Seeland irgendwie rumkriegen.

Da ich an diesem Tag genug Geld ausgegeben hatte, entschloss ich mich dazu kurz vor Whangarei neben dem Highway/ zu Campieren.

Kurz vorm schlafen gehen gab es dann noch einen kleinen Lichtblick für mich, mein Gemütszustand hatte sich sowieso ein klein wenig gebessert: Durch das Mückennetz des Zelts konnte ich den Sternenhimmel mit Südkreuz, Milchstraße und allen anderen Sonnen in seiner vollen Pracht sehen, was ich sehr genoss und war sehr zufrieden mit dem Anblick zu dem ich einschlafen konnte. Dazu sei gesagt, dass man in Neu Seeland und Australien in ländlichen Gegenden die Sterne sehr viel besser sehen kann, da es nicht so viel Lichtverschmutzung durch große Städte gibt. Außerdem ist die Anzahl der sichtbaren Sterne auf der Südhalbkugel allgemein höher.

So weit so gut, ich habe megahunger und muss noch Bilder einfügen und so…wenn ihr Glück habt schaffe ich es nochmal bevor ich nach D zurück komme ein paar Zeilen hier zu veröffentlichen.

Zum Abschluss noch ein alter Bekannter:

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